28.10.2009 · Commerzbank-Chef Martin Blessing steckt in einer Zwickmühle. Dass sich die Führungsriege seines Instituts nun für das Emblem des früheren Konkurrenten als Konzernlogo entschieden hat und damit auch der Tradition vieler ihrer neuen Mitarbeiter Respekt zollt, dürfte viele versöhnen.
Von Tim KanningMartin Blessing steckt in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite kann es dem Chef der Commerzbank mit der Integration der Dresdner Bank gar nicht schnell genug gehen. Die negativen Schlagzeilen rund um staatliche Hilfen bei der Übernahme des einstigen Konkurrenten, die Klagen ehemaliger Investmentbanker der Dresdner Kleinwort auf Auszahlung ihrer Boni – all das ließe Blessing lieber heute als morgen hinter sich.
Von daher ist es nur folgerichtig, dass er bei der Eingliederung der grünen Bank in seine gelbe manchen Schritt schneller geht als noch vor einem Jahr angekündigt. Der Name „Dresdner Bank“ etwa verschwindet nun ein halbes Jahr eher von Deutschlands Straßen als ursprünlich geplant, die Kunden werden schon bald ihre Post nur noch von der Commerzbank bekommen.
Geldgeschäfte brauchen Vertrauen
Auf der anderen Seite ist da die emotionale Bindung sowohl der Kunden als auch der Mitarbeiter, die gerade im Bankgeschäft noch einen tatsächlichen Wert hat: Geldgeschäfte brauchen Vertrauen. Das verbietet zu große Hast. Der alte Spruch, dass der Deutsche eher den Ehepartner als die Bank wechselt, gilt immer noch. Blessing tut daher gut daran, den Kunden der Dresdner Bank – letztlich ihr wichtigster Wert – den erzwungenen Wechsel zur einstigen Wettbewerberin so behutsam wie möglich zu gestalten. Der Gedanke, sich auch direkt nach einer ganz neuen Adresse umschauen zu können, soll gar nicht erst aufkommen.
Mit dem neuen Logo kommt der Commerzbank-Chef ihnen dabei weitestmöglich entgegen. Es nimmt der Übernahme den Anschein, die Dresdner Bank sei „geschluckt“ worden, und vermittelt: Hier haben sich zwei Partner zusammengeschlossen zu einer Bank, in der die Werte beider Häuser weitergelebt werden.
Emblem des früheren Konkurrenten
Gleiches gilt für die Mitarbeiter. Wenn rund um die Übernahme Murren aus der Belegschaft zu vernehmen war, so hing das meistens damit zusammen, dass sich Mitarbeiter der Dresdner Banker gegenüber jenen der Commerzbank benachteiligt fühlten. Dass sich die Führungsriege nun für das Emblem des früheren Konkurrenten entschieden hat und damit auch der Tradition vieler ihrer neuen Mitarbeiter Respekt zollt, dürfte viele versöhnen.