Home
http://www.faz.net/-gzg-78xek
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar zur AfD in Hessen Viel Auswahl hilft viel

Nun also auch ein AfD-Landesverband in Hessen. Dem Landtagswahlkampf kann das nur guttun, denn viel Auswahl hilft viel.

© Kretzer, Michael Vergrößern Hände hoch: Abstimmung beim Gründungsparteitag der AfD in Hessen

Mit dem gesunden Menschenverstand ist es so eine Sache. Die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) behauptet, er sei auf ihrer Seite. Will heißen: nur auf ihrer. Wer das, was die Partei vorschlägt, für nicht so recht überzeugend hält, ist demnach im Oberstübchen gesundheitlich angeschlagen.

Werner D’Inka Folgen:  

Das ist einerseits starker Tobak, andererseits gehört nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Gerade eine neue Partei muss durch allerlei Tamtam auf sich aufmerksam machen, das haben die Grünen seinerzeit getan, die Piraten ebenfalls. Letztlich hat die Inanspruchnahme des gesunden Menschenverstandes mit Exklusivitätsbehauptung durch die AfD sogar etwas Hilfloses. Je komplizierter die Dinge werden, desto größer wird nämlich die Neigung zu einfachen Deutungen der Art „Eigentlich ist doch alles ganz simpel, man muss nur ...“.

Schlicht nicht zu Ende gedacht

Ja, man müsste schon - aber was? Der Euro, die Gesundheitspolitik, der Länderfinanzausgleich und anderes sind scheußlich komplizierte Themen, denen niemand gerecht wird, der behauptet, er habe die blaue Blume der einfachen Lösung gefunden.

Bei allem Luftanhalten, ob die Euro-Rettungspolitik gutgeht: Die AfD-Forderung „Zurück zur D-Mark“ ist schlicht nicht zu Ende gedacht. Was in der Konsequenz nur heißen kann, dass Politiker die komplexen Folgen ihrer Entscheidungen immer und immer wieder erklären und begreiflich machen müssen, der Bundespräsident hat das zu Recht verlangt.

Eine Episode

Ein gewisses Aufsehen hat der Übertritt des FDP-Landtagsabgeordneten Jochen Paulus zur AfD gemacht. Es wird eine Episode bleiben. Paulus und die Wiesbadener Stadtverordnete Pöpel (ebenfalls früher FDP) werden nicht die letzten anderswo Zukurz-Gekommenen und Zu-wenig-Beachteten sein, die sich in der neuen Partei endlich Anerkennung versprechen.

Mehr zum Thema

Nun also auch ein AfD-Landesverband in Hessen. Dem Landtagswahlkampf kann das nur guttun, denn viel Auswahl hilft viel. Gezählt wird am 22. September. Gut möglich, dass sich dann herausstellt, dass die grob geschätzt 97 Prozent der Hessen, welche die AfD voraussichtlich nicht wählen werden, auch Verstand haben, sogar einen recht gesunden. Nur eben einen anderen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.05.2013, 23:21 Uhr

Glut der Hoffnung wieder entfacht

Von Peter Heß

Manchmal genügt im Fußball schon ein kleines Nachlassen des Gegners, um die zwischen all der Asche der letzten Enttäuschungen schwach glimmende Glut der Hoffnung wieder zu entfachen. Das zeigt der Fall Eintracht Frankfurt. Mehr 1