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Kommentar Zumindest eine klare Alternative

03.12.2006 ·  Andrea Ypsilanti gegen Roland Koch. Schon lange nicht mehr hatten die Hessen eine derart klare Alternative. Bei der Landtagswahl im Januar 2008 wird Roland Koch von einer Frau herausgefordert, die für traditionell sozialdemokratische Politik steht.

Von Ralf Euler
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Andrea Ypsilanti gegen Roland Koch. Schon lange nicht mehr hatten die Hessen eine derart klare Alternative. Bei der Landtagswahl im Januar 2008 wird der mit absoluter CDU-Mehrheit amtierende Ministerpräsident von einer Frau herausgefordert, die für traditionell sozialdemokratische Politik steht: ein idealistisch-ideologisches Angebot vor allem an jene, die sich als Verlierer einer allzu freien Marktwirtschaft wähnen, aber auch an jene, für die Steuererhöhungen nicht in jedem Fall Teufelszeugs sind. „Die Mehrheit will eine Reform des Sozialstaats, die den Sozialstaat erhält“, sagte Ypsilanti vor ihrer Kür zur SPD-Spitzenkandidatin und präsentierte damit ihr Grundsatzprogramm in einem Satz.

Die Wähler müssen diesmal nicht zwischen zwei Politikermodellen der gleichen Bauart entscheiden. Insofern hat Ypsilanti möglicherweise recht, wenn sie für sich in Anspruch nimmt, auch frustrierte Nichtwähler wieder für die Sozialdemokratie begeistern zu können. Ihre Anhänger hoffen zudem, daß eine Kandidatin, die glaubhaft für Solidarität und Chancengleichheit eintritt, auf die konsequente Förderung alternativer Energien setzt und sich selbst „nicht als Genossin der Bosse, sondern der Rewe-Verkäuferinnen“ darstellt, auch für Grünen-Anhänger und jene attraktiv sein könnte, die dem Linksbündnis PDS/WASG zuneigen.

„Links“, aber nicht radikal

Pessimisten hingegen befürchten, daß Ypsilanti zwar „links“ genug wirke, um die Wähler der bürgerlichen Mitte zu verschrecken, aber nicht radikal genug sei, um Fundamentalsozialisten für sich gewinnen zu können. Das, was die SPD-Kandidatin in der Mitte verliere, könne sie im linken Spektrum nicht hinzugewinnen. Allenfalls ein Nullsummenspiel also für eine Partei, die bei der Landtagswahl 2003 mit 29,1 Prozent am Tiefpunkt ihrer Wahlgeschichte in Hessen angelangt ist.

Zweifelhaft also, ob die Sozialdemokraten mit Ypsilanti wirklich eine gute Wahl getroffen haben. Die Kandidatin ist aber bisher vielfach unterschätzt worden, nicht zuletzt in der eigenen Partei. Ein Politprofi wie Roland Koch wird diesen Fehler kaum begehen. Und doch könnte der Landtagswahlkampf, zum Wohle der Demokratie, spannender werden, als es so mancher in der hessischen Union erwartet. In knapp 14 Monaten hat Hessen die Wahl, und zwar eine wirkliche.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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