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Kommentar zum Streckenausbau : Endlich ein Anfang

Neue Gleise, weniger Wartezeit: Ein Streckenausbau der Linie S6 rückt in greifbare Nähe. Bild: Rüchel, Dieter

Vier Gleise könnten den Bahnverkehr zwischen Frankfurt-West und Friedberg entzerren. Eine positive Nutzen-Kosten-Analyse weckt Hoffnung: Dem Ausbau dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach nichts mehr im Wege stehen.

          Die schlechte Nachricht lautet: Manche S-Bahnen und Regionalzüge sind in den vergangenen zwei Monaten so häufig verspätet gewesen wie selten zuvor. Die Pünktlichkeitsrate der S1, einer der wichtigsten S-Bahnen in der Rhein-Main-Region, sank von miserablen 90,3 Prozent auf noch miserablere 86,1 Prozent.

          Die Unpünktlichkeit vieler Züge stellt ein ernsthaftes Problem dar. Wenn Reisende und hier vor allem die Pendler sich nicht darauf verlassen können, dass sie ihre Ziele in der Regel rechtzeitig erreichen, steigen manche irgendwann aufs Auto um. Mit dem Wagen ist die Fahrt zur Arbeit zwar auch hoch risikobelastet, denn vom „staufreien Hessen“ ist im Berufsverkehr wenig zu merken. Aber zumindest müssen die Pendler dann nicht mehr an einem zugigen Bahnhof herumstehen und verzweifelt auf den Zug warten.

          Hervorragender Kosten-Nutzen-Wert

          Die Verspätungen der Bahnen bilden jedenfalls einen Quell steten Ärgernisses und schaden dem Ruf des öffentlichen Nahverkehrs. Die Lage, dies ist die zweite schlechte Nachricht, wird sich auch nicht nachhaltig verbessern, wenn der Rhein-MainVerkehrsverbund vermutlich im Sommer eine Zehn-Minuten-Garantie einführt. Dann bekommt der Fahrgast zwar sein Geld zurück, wenn sich seine Bahn um mehr als zehn Minuten verspätet. Doch pünktlicher werden die Züge dadurch nicht.

          Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Der Ausbau der Schienenstrecke von Frankfurt nach Bad Vilbel und weiter nach Friedberg dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr scheitern. Am Mittwoch hat die Bahn das Ergebnis der Nutzen-Kosten-Analyse für dieses 550 Millionen Euro teure Projekt veröffentlicht. Bisher gab es Befürchtungen, dass der Kosten-Nutzen-Wert des geplanten viergleisigen Ausbaus der Strecke unter 1 liegen und die öffentliche Hand es deshalb nicht fördern könnte. Nun wurde ein hervorragender Wert von 1,67 ermittelt, was nichts anderes bedeutet, als dass das Bauvorhaben von volkswirtschaftlich hohem Nutzen ist.

          Dringend notwendiger Ausbau

          Das gute Ergebnis hängt auch damit zusammen, dass die Gutachter in ihre Bewertung vernünftigerweise auch die zu erwartende höhere Pünktlichkeit der Züge einfließen ließen. Dadurch, dass künftig die S-Bahn sich nicht die Gleise mit den Fernzügen teilen muss, sondern zwei eigene besitzen wird, dürfte es deutlich weniger Verspätungen auf dieser Strecke geben – nicht nur bei den S-Bahnen, sondern auch bei den Regionalbahnen.

          Mit dem Ausbau der S6 werden noch längst nicht alle Pünktlichkeitsprobleme gelöst sein. Weitere neue Schienenverbindungen sind notwendig. Doch zumindest ist jetzt endlich der Anfang gemacht beim dringend notwendigen Ausbau des Schienenknotens Frankfurt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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