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Kommentar zum neuen Hauptquartier Investition in die Zukunft

 ·  Wiesbaden hat um die Amerikaner gekämpft, auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus.

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An George W.Bush hat gestern wohl kaum jemand gedacht. Dabei ist der frühere Präsident der Vereinigten Staaten gewissermaßen der Vater dessen, was auf dem Militärstützpunkt im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim mit großer Geste und viel Pathos gefeiert wurde. Denn unter seiner Führung ist 2004 die Umstrukturierung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa beschlossen worden, deren Folgen in der hessischen Landeshauptstadt für viel Freude, an zahlreichen anderen Standorten in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern aber für große Enttäuschung gesorgt haben.

Unter dem Eindruck der Kriege im Irak und in Afghanistan und angesichts neuer strategischer Herausforderungen hatten Bush und seine Militärplaner nicht nur den Abzug der letzten beiden nach dem kalten Krieg in Deutschland verbliebenen Kampfdivisionen und die Schließung dutzender Stützpunkte angekündigt, sondern auch den nun offiziell vollzogenen Umzug des Europa-Hauptquartiers der Army aus Heidelberg nach Wiesbaden. Es wird wohl noch zwei Jahre dauern, bis die letzten Einheiten ihr neues Quartier in Erbenheim bezogen haben. Mit der Eröffnung des neuen Führungszentrums aber ist klar: Die Musik spielt nun in Wiesbaden.

Einige protestieren

Das Pentagon hat sich diese Investition in die Zukunft eine Menge Geld kosten lassen. Allein in der hessischen Landeshauptstadt hat es in den vergangenen Jahren mehr als eine halbe Milliarde Dollar ausgegeben. Außer der neuen Kommandozentrale sind viele vorhandene Anlagen und Siedlungen saniert und das „Newman Village“ neu gebaut worden. Die amerikanische „Community“ soll bis 2015 auf knapp 20.000 Mitglieder anwachsen.

Die Stadt - allen voran Oberbürgermeister Helmut Müller - hat dafür intensiv gekämpft. Nicht nur aus nostalgischen Gründen und aus alter Verbundenheit mit den Amerikanern, sondern auch mit der Hoffnung auf eine wirtschaftliche Dividende. Dass es die nicht zum Nulltarif gibt, dürfte allen Beteiligten von Anfang an klar gewesen sein.

Mehr Verkehr von und nach Erbenheim, spürbarer Druck auf den Wohnungsmarkt und verstärkter Lärm durch einen gesteigerten Flugbetrieb und die Stationierung einer Hubschrauber-Staffel sind der Preis, den die Wiesbadener nun zahlen müssen. Aber wer sich über Soldaten und Soldatenfamilien freut, die in der Stadt Geld ausgeben und zu deren internationaler Atmosphäre beitragen, der muss auch die negativen Aspekte einer Garnisonsstadt akzeptieren.

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Jahrgang 1964, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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