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Frankfurter Hauptbahnhof : Es geht voran

Bild: F.A.Z.

Mit dem Bau eines 800 Meter langen Gleises im Westen des Frankfurter Hauptbahnhofs will die Deutsche Bahn den Eisenbahnverkehr flüssiger gestalten. Fürs Erste eine gute Idee.

          Der Frankfurter Hauptbahnhof ist nur der kleinste Teil dessen, was für die Eisenbahner der Hauptbahnhof ist. Vor der großen Halle breitet sich eine kilometerlange Landschaft voller Gleise aus, und nur Fachleute kennen ihre geheimnisvolle Topographie, wissen, wo das Camberger Becken liegt, die Weserhütte, der Gutleuthof und der Ho-Tschi-Minh-Pfad, dieses eine Gleis, das auf abenteuerlichen Wegen bis zu den Abstellanlagen reicht, die so auch dann noch angefahren werden können, wenn auf den Hauptstrecken nichts mehr geht.

          Auch der Homburger Damm ist solch eine Verbindung, die den meisten nichts sagt. Dabei kennt jeder die Brücke, die zu dieser Gleisverbindung zählt, denn weil sie so schmal ist, muss sich der Verkehr auf der Mainzer Landstraße regelrecht hinüberquälen. Die Erweiterung einer solchen Strecke von einem auf zwei Gleise ist nichts, was sich groß feiern lässt, aber der Baubeginn zeigt doch, dass es mit der Modernisierung des Knotens Frankfurt weiter vorangeht. Nur leider eben sehr langsam.

          Lösung auf Zeit

          Nicht weniger als 14 Jahre ist es her, dass „Frankfurt Rhein-Main Plus“ aufgelegt wurde, ein großes Programm zur Modernisierung der Schiene in und um die Mainmetropole, eine Reaktion darauf, dass aus „Frankfurt 21“ nichts wurde, dem kühnen Plan, den Kopfbahnhof durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu ersetzen. Alles, was die Deutsche Bahn jetzt vorhat, klingt schlüssig, so etwa die stärkere Trennung des Fern- und Regionalverkehrs in der Bahnhofshalle, auch der sechsgleisige Ausbau Richtung Stadion, was die Errichtung einer weiteren Mainbrücke erfordert.

          Der große Wurf ist es dennoch nicht, der Kopfbahnhof bleibt ein neuralgischer Punkt im Schienennetz, weil die Züge an derselben Seite hinein- und wieder herausfahren und enorme Umwege auf sich nehmen, um überhaupt zum Bahnhof zu gelangen. So spricht vieles dafür, dass eine spätere Generation die alten Frankfurter Eisenbahnfragen wieder aufrufen wird: Soll der Fernverkehr nicht doch, um die Fahrzeiten zu verkürzen, unter dem Hauptbahnhof hindurchfahren, nur noch am Südbahnhof halten oder gar bloß am Flughafen?

          So könnte sich die Ertüchtigung des Hauptbahnhofs als eine Lösung auf Zeit erweisen, weil man zur Jahrtausendwende nicht mutig genug war. Falsch ist es natürlich trotzdem nicht, das Programm nach und nach abzuarbeiten. Wenn Züge nach dem Verlegen eines zweiten Gleises auf dem Homburger Damm weniger Verspätung haben, ist das fürs Erste ja ganz schön.

          Manfred  Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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