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Kommentar zum Frankfurter Flughafen Unter Druck

16.02.2012 ·  Trotz Euro-Krise laufen die Geschäfte bei Fraport bestens. Doch niemand jubelt. Denn der Ärger um die neue Landebahn überschattet alles. Immerhin hat Fraport die Sprache wiedergefunden.

Von Jochen Remmert
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Gründe zu feiern hätte der Flughafenbetreiber Fraport AG eigentlich schon: Trotz Euro-Krise laufen die Geschäfte bestens. Der Ausbau ist - für ein Projekt von derart gewaltigen Dimensionen - technisch wie organisatorisch fast perfekt verlaufen. Und die neue Piste ergänzt das Bahnensystem so gut, dass Frankfurt inzwischen bei der Pünktlichkeit eine Spitzenposition im internationalen Vergleich einnimmt. Zuvor war der Flughafen wegen des hohen Verspätungsrisikos eher verschrien.

Und doch steht bei Fraport derzeit niemandem der Sinn nach Jubel, denn inzwischen droht Ungemach von fast allen Seiten: Da ist der anders verteilte Fluglärm als Folge der neuen Landebahn. Mit dem Krach hat Fraport zwar gerechnet und ihn vorher auch nicht verheimlicht. Worauf die Flughafenmanager nicht vorbereitet waren, ist der Grad der Empörung unter den Endanfluglinien - in Flörsheim, im Frankfurter Süden und anderswo.

Nun noch ein Streik

Nach anfänglicher Schockstarre hat Fraport immerhin die Sprache wiedergefunden. Das Flugblatt in Millionenauflage war ein erster Kommunikationsversuch, nun soll eine Großkundgebung der hastig gegründeten Initiative „Ja zu Fra“ am 1.März vor dem Frankfurter Römer folgen. Dahinter stehen außer Fraport die Fluggesellschaften Lufthansa und Condor, viele andere Unternehmen halten sich aber offenkundig mit Solidaritätsbekundungen zurück.

Wie heftig und rasch die Empörung auf die Politik wirken würde, hat sich Fraport wohl nicht träumen lassen. Selbst der CDU-Kandidat für die Frankfurter Oberbürgermeisterwahl, der hessischen Innenminister Boris Rhein, geriert sich inzwischen als glühender Verfechter eines Nachtflugverbots. Und der zuständige Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) wundert sich ob der Intensität des Fluglärms. Man sucht mehr Distanz.

Als ob das alles noch nicht genügte, streiken ausgerechnet in diesem heiklen Moment die Vorfeld-Mitarbeiter von Fraport, und das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig lässt wissen, dass es noch einmal ganz tief in die Materie einsteigen und die Frage erörtern will, ob die Fluglärmberechnung, die dem Planfeststellungsbeschluss zu Grunde liegt, überhaupt rechtens war. Das klingt schon fast wie eine Drohung. Bis auf weiteres wird bei Fraport also gewiss nicht gefeiert.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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