19.12.2007 · Die Erlaubnis von Nachtflügen nach dem Flughafenausbau lastet auf dem Projekt wie eine Hypothek. Eines ist sicher: Die Region und ihre ökonomische Kraftquelle, der Flughafen, haben nur glänzende Perspektiven, wenn sich alle Beteiligten zusammenraufen.
Von Helmut SchwanEr könne verstehen, wenn lärmgeplagte Anwohner des Flughafens enttäuscht seien: Hessens Wirtschaftsminister Rhiel hat nicht den Fehler gemacht, um den heißen Brei herumzureden. Die – obgleich limitierte – Erlaubnis von Nachtflügen nach dem Ausbau des Frankfurter Flughafens lastet auf dem Projekt wie eine Hypothek. Vor allem deswegen, weil das Land als größter Anteilseigner des Airportbetreibers noch vor vier Jahren die Fraport-Manager dazu veranlasste, die „Null“ zwischen 23 und 5 Uhr als Ausgleich für die enormen Mehrbelastungen als Folge der neuen Landebahn zu beantragen.
Es ist daher in den nächsten Wochen noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. Es ist klar zu machen, warum auf dem Weg durch die Gerichtsinstanzen die immensen Vorteile für die Entwicklung der Region und des Landes, die tausenden neuen Arbeitsplätze und vielleicht sogar die Entlastung nachts gefährdet gewesen wären, wenn man die Forderungen der Fluggesellschaften, im harten globalen Wettbewerb den „Nachtsprung“ zu sichern, rundum abgewiesen hätte.
Entscheidung nach Landebahnbau?
Wie viel Lärm die Menschen für den Erhalt der Wirtschaftskraft hinnehmen müssen – im sonst so überregulierten Deutschland bleibt das seltsamerweise der frei vereinbarten gesellschaftlichen Meinungsbildung (in Form der Mediation), der Exekutive und letztlich der Justiz überlassen. Über die schon angekündigten Klagen wird das Bundesverwaltungsgericht vermutlich erst in drei Jahren entscheiden. Dann ist die neue Landebahn womöglich schon fast fertiggestellt – und erst recht kaum vorstellbar, dass sie nicht in Betrieb gehen wird.
Daher wäre es für alle Beteiligten nun falsch, zu erstarren und abzuwarten, was am Ende die Richter in Leipzig sagen werden. Nach der Mediation ist auch dieser Planfeststellungsbeschluss ein Kompromiss zwischen den widerstreitenden Interessen in einer dichtbesiedelten, prosperierenden Region. Weiterere Kompromisse werden folgen müssen, zum Beispiel auf Grundlage des noch ziemlich unverbindlichen Anti-Lärm-Paktes.
Eines ist jedenfalls nun sicher: Die Region und ihre ökonomische Kraftquelle, der Flughafen, haben nur glänzende Perspektiven, wenn sich alle Beteiligten zusammenraufen.
Helmut Schwan Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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