Der grausige Unfall in Kriftel, bei der ein Auto eine Frau tötete und eine andere schwer verletzte, ist noch ungeklärt. Nur eines ist sicher: Der Fahrer war 83 Jahre alt. Wieder einmal stellt sich die Frage, ob alte Menschen ohne weiteres noch hinters Steuer dürfen. In England, in Italien, Spanien, Schweden und Finnland ist dies nicht der Fall. In diesen Ländern testet der Staat die Fitness seiner Bürger im Verkehr.
In dem Land, in dem die Autos erfunden wurden, in dem der ADAC-Schlachtruf von 1974 „Freie Fahrt für freie Bürger“ noch immer nachhallt, tut man sich schwer, Menschen einen Teil ihrer Freiheit zu beschneiden. In der Tat erlaubt der Zugriff auf ein Auto noch immer ein Höchstmaß an individueller Gestaltung der Aufenthaltswahl, gerade für ältere Menschen. Für Bewohner eines Altenheimes etwa, aber auch für Menschen auf dem Lande ist die Möglichkeit, sich hinter dem Steuer in andere Welten zu befördern, gar nicht zu unterschätzen.
Freiwilligkeit führt wohl nicht weiter
Niemand also wird leichtfertig fordern, alten Menschen rigoros den Führerschein wegzunehmen, wenn sich deren Reaktionsgeschwindigkeit verkürzt. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob der Staat nicht das Recht hat (oder - siehe Kriftel - sogar die Pflicht), ab einer bestimmten Altersgrenze, vielleicht ab 80, vielleicht noch später, die Fahrtüchtigkeit überprüfen zu lassen.
Am anderen Ende der Altersskala hat der Staat ja längst eingegriffen. Schon seit 1986 bestraft er die jugendtypische Risikobereitschaft der Fahranfänger damit, dass sie bei Verstößen in der Anfangszeit ihrer Fahrpraxis an Aufbauseminaren teilnehmen oder sich die Verlängerung der Probezeit von zwei auf vier Jahre gefallen lassen müssen. Wenig spräche dagegen, ab einer gewissen Altersgrenze nach oben ähnliche Maßnahmen einzuführen: Wer als alter Mensch im Verkehr auffällig wird - vielleicht durch eine gehäufte Zahl von Auffahrunfällen oder allzu langsames Schleichen auf der linken Autobahnspur - müsste an Nachschulungen teilnehmen oder an medizinischen Untersuchungen.
Lediglich auf die Freiwilligkeit zu setzen, führt wahrscheinlich nicht weiter. Außer vielleicht der Gedanke der Betroffenen an einen Unfall wie den in Kriftel, mit dem sich niemand durch die Tötung Unschuldiger seinen Lebensabend belasten möchte. Der Verzicht auf Mobilität ist sicherlich besser als das Belasten des Gewissens bis ans Lebensende.
Regelmäßige Überprüfungen für alle wären besser
Uwe Gehring (SkipperUwe)
- 25.07.2012, 11:31 Uhr