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Kommentar Zuckerbrot und Peitsche

07.12.2011 ·  Theater sind besondere Betriebe, deshalb bedarf es größter Sensibilität, um Missbrauch zu vermeiden.

Von Eva-Maria Magel
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Dass die Kunst, die Theaterkunst zumal, der Demokratie zuträglich sei, hört man oft. Ob die Demokratie für die Kunst vonnöten ist, und, wenn ja, in welcher Menge, ist eine schwierigere Frage. Ganz sicher nicht nötig für den Betrieb eines Staatstheaters wie Darmstadt aber sind Intrigen, Repressalien und daraus resultierende künstlerische Schäden. Lässt man alle unbedachten Äußerungen und schlechten Ratgeber außer Acht, die zu der Eskalation zwischen Intendant Dew und Generalmusikdirektor Trinks geführt haben mögen: Es geht um schlechte Führung und mangelndes Fingerspitzengefühl - auf allen Seiten.

Dabei braucht es beides gerade im Theater, einer hierarchischen Anstalt, mit einer einsamen Spitze, ein paar Führungskräften, den Künstlern und - sehr vielen - nichtkünstlerlischen Angestellten. Bisweilen mag das auf Außenstehende wirken wie Zuckerbrot und Peitsche. Im Staatstheater Darmstadt sind die Dinge aus dem Ruder gelaufen. Und die Rechtsträger in den Personen der Kunstministerin Kühne-Hörmann und des Oberbürgermeisters Partsch, konnten, nachdem sie wochenlang mit Berichten konfrontiert gewesen waren, auf die sie offiziell nicht eingingen, gestern erstmals betroffen feststellen, dass unter der Belegschaft Unmut und, viel schlimmer, eine gewaltige Angst herrschten. Das passt denn doch nicht mehr ins Bild einer Politik, die sich mit dem oft ein wenig zu lässig hervorgebrachten Argument, bei Künstlern sei nun mal alles etwas anders, lieber aus den Interna des Theaters fernhält.

Auch ein autonomes Theatergebilde braucht aufmerksame Begleitung

In der Tat sind Theater besondere Betriebe, und in der Tat sind Künstler oft mit Kollegen liiert. Deshalb bedarf es größter Sensibilität und vor allem eines unerschütterlichen künstlerischen Qualitätsbewusstseins, um Missbrauch entgegenzuwirken. Nicht nur am Darmstädter Theater kann das Publikum die Pflege von Verwandtschaft und Freundschaft deutlich, bisweilen allzu deutlich wahrnehmen.

Ob am Staatstheater mit Hilfe von Vermittlern der Friede wieder hergestellt werden kann, ist weiter fraglich. Dass ein solcher Druck entstehen konnte, sollte eine Lehre sein: Auch ein autonomes Theatergebilde braucht aufmerksame Begleitung. Zwischen einem verängstigten Team und den Mitbestimmungsmodellen der siebziger Jahre liegt ein weites Feld - und darauf blühte bis jetzt recht fröhlich ein deutsches Theatersystem, das in der Welt seinesgleichen sucht.

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Jahrgang 1970, Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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