25.03.2010 · Die eine möchte Tempo 30 einführen, der andere freie Fahrt für freie Bürger durchsetzen. Wer ein staufreies Hessen schaffen will, muss darauf achten, dass der Verkehr gleichmäßig fließt.
Von Hans RiebsamenDie eine möchte Tempo 30 einführen, der andere freie Fahrt für freie Bürger durchsetzen. Zwei extreme Positionen in der Verkehrspolitik versuchen sich zur gleichen Zeit Gehör zu verschaffen.
Die eine, die Frankfurter Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen), gibt vor, Anwohner vor Lärm auf dem Frankfurter Alleenring schützen zu wollen. Der andere, Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), sagt, er halte sich lediglich ans Gesetz, das Geschwindigkeitsbeschränkungen nur dort erlaube, wo es die Gefahrenlage rechtfertige.
Die Gefahr von Unfällen natürlich nur, nicht etwa die von Giftstoffen in der Luft ausgehende Gefahr. So wird dann wohl demnächst ein Autofahrer auf der Autobahn mit Tempo 200 auf Frankfurt zurasen und auf dem Alleenring mit Tempo 30 auf sein Endziel zuzuschleichen. Am Ende ist er gleich schnell wie vorher.
Automotor bei Tempo 30 leiser als bei 50?
Doch im Ernst: Führt uns das in der Verkehrspolitik eine Raddrehung weiter? Schlafen die Kinder in den Häusern an Hauptstraßen besser, wenn die Autos 30 statt 50 fahren? Brummt der Automotor überhaupt nennenswert leiser bei Tempo 30? Auf der anderen Seite muss man fragen, wer etwas davon hat, wenn auf der A 66 zwischen der Ludwig-Landmann-Straße und Eschborn die Fahrer nun voll auf die Tube drücken dürfen. Was nützt es den Reisenden auf den chronisch überlasteten Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet, wenn Geschwindigkeitsbeschränkungen aufgehoben werden? Einige Raser werden sich vielleicht zu noch tollkühneren Überholmanövern legitimiert sehen. Aber der normale Pendler kommt keine Minute früher an.
Wer wie die Landesregierung ein staufreies Hessen schaffen will, der muss vor allem darauf achten, dass der Verkehr in möglichst gleichmäßigem Tempo fließt. Staus und Gefahren – dies werden dem Minister Posch seine Straßenfachleute gerne erklären – entstehen vor allem dort, wo Fahrer auf jedem staufreien Kilometer unmäßig beschleunigen, um dann wieder abbremsen zu müssen. Statt möglichst viele Tempolimits abzubauen, sollte die Regierung ihre Energien lieber darauf konzentrieren, den Bürgern eine freie Fahrt ohne Staus zu gewährleisten.