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Kommentar zu Stellenabbau Foulspiel am Uni-Klinikum

 ·  Die Ankündigung des Stellenabbaus am Uni-Klinikum Gießen und Marburg ist ein Foulspiel, weil sie während der Mediation erfolgt ist. Zudem stellt sich die Frage, ob das Unternehmen den Ministerpräsidenten düpiert hat.

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Salamitaktik zahlt sich selten aus. Das zeigt sich in diesen Tagen am Beispiel des privatisierten Uni-Klinikums Gießen und Marburg. Was die Geschäftsführung zuerst nicht zugeben wollte, ist nun Gewissheit: Das Unternehmen will wegen Kostendrucks 236 der etwa 7300 Vollzeitstellen streichen. Das Uni-Klinikum will zwar auf betriebsbedingte Kündigungen möglichst verzichten, doch tröstet dies die Belegschaft und ihre gewählten Vertreter nicht. So poltert etwa der Betriebsratschef in Gießen, die Ankündigung des Stellenabbaus vom Freitag diene nicht der Glaubwürdigkeit der Geschäftsführung. Und dies kann kaum überraschen.

Schließlich hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung wenige Tage zuvor noch über „gute und konstruktive Gespräche mit Betriebsräten“ berichtet - worauf Arbeitnehmervertreter verdutzt reagierten. Vor allem aber hat die Nachricht aus der Chefetage die Beschäftigten des bisher einzigen privatisierten Uni-Klinikums und die Öffentlichkeit mitten im Mediationsverfahren ereilt - das vom Land Hessen gerade wegen der Ende Februar ruchbar gewordenen Pläne zum Abbau von bis zu 500 Stellen eingeleitet wurde.

Bouffier düpiert?

Zur Erinnerung: Die Chefetage hatte seinerzeit die Wogen rasch mit der feinsinnigen Aussage, das Unternehmen wolle Kosten im Volumen von 500 Vollzeitstellen sparen, zu glätten versucht. Das Eingeständnis vom Freitag wirkt angesichts dessen wie ein Foulspiel.

Daran ändert auch der Hinweis nichts, 300 Beschäftigte mehr zu haben als bei der Übernahme im Februar 2006 und 70 weitere Arbeitsplätze für Ärzte schaffen zu wollen. Denn welchen Sinn hat eine Mediation, wenn ihr Anlass nach wie vor besteht? Zumal die im März von Ministerpräsident Bouffier (CDU) ausgedrückte Hoffnung, die Rhön Klinikum AG als der Mehrheitseigentümer werde einem Stillhalteabkommen zustimmen und auslaufende Verträge nicht zu Stellenabbau nutzen, getrogen hat.

Die Frage, ob das Uni-Klinikum den Gießener Bouffier düpiert hat, stellt sich auch aus einem anderen Grund. „Die Zahl 500 muss vom Tisch“, forderte er Anfang März. Auf den ersten Blick scheint er Erfolg gehabt zu haben. Aber wer sagt, dass es bei der Zahl 236 bleibt?

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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