29.01.2010 · Für Entlastungen der G8-Schulen zu sorgen - das versprach Kultusministerin Henzler beim Amtsantritt. Ein Schritt zu diesem Ziel hätte in diesem Jahr die Einführung der Bildungsstandards sein können. Sollte sich die Erarbeitung des Kerncurriculums noch weiter hinziehen, wäre der Erfolg der Kultusministerin gefährdet.
Von Matthias TrautschFür Entlastungen der G8-Schulen zu sorgen - das versprach Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) bei ihrem Amtsantritt. Ein Schritt zu diesem Ziel hätte in diesem Jahr die Einführung der Bildungsstandards sein können. Seit 2005 haben die hessischen Gymnasiasten nur noch acht Jahre bis zum Abitur, seitdem ist es trotz vieler Ankündigungen nicht gelungen, den Lehrplan entsprechend zu entschlacken. Dabei bedarf es keiner höheren Mathematik-Kenntnisse, um zu verstehen, dass in acht Jahren nicht dasselbe gelernt werden kann wie in neun.
Weit schwieriger ist die Antwort auf die Frage, welche Kenntnisse, welche Fertigkeiten, welche Unterrichtsinhalte entbehrlich sind und welche nicht. Auch an diesem Punkt entzünden sich die Diskussionen zwischen den Experten, die mit der Erstellung der Kerncurriculums beauftragt sind. Kultusministerin Henzler wäre besser beraten, die Schwierigkeiten offen zu benennen, als die Verzögerung mit einer Rücksichtnahme auf die Schulen zu begründen. Denn, wie der Leiter eines Frankfurter Gymnasiums sagt, „an den Schulen hängt es bestimmt nicht“.
Zusammenhang mit anderem Großprojekt
Andererseits ist den Schülern, Eltern und Lehrern eine verspätete Reform lieber als eine missglückte. Ihnen ist die überstürzte Einführung der verkürzten Gymnasialzeit noch in schlechter Erinnerung. Aus den Querelen um G8, die maßgeblich zum Fall ihrer Amtsvorgängerin beigetragen haben, hat Henzler offenbar ihre Lehren gezogen.
Sollte sich die Erarbeitung des Kerncurriculums aber noch weiter hinziehen oder gar scheitern, wäre auch der Erfolg der jetzigen Kultusministerin gefährdet. Denn die Bildungsstandards hängen eng zusammen mit einem anderen Großprojekt, das Henzler sich vorgenommen hat: die eigenständige Schule. Die Kompetenzorientierung bedeutet nämlich, dass den Schulen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie zu unterrichten haben, sondern nur, was die Schüler am Ende können müssen. Damit erhalten sie große Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung, die sie je nach inhaltlicher Ausrichtung und pädagogischem Konzept nutzen können.