Die Entscheider beim Opel-Mutterkonzern General Motors können mit sich zufrieden sein: Sollte Karl-Thomas Neumann tatsächlich der neue Chef des europäischen Ablegers der Amerikaner werden, dann haben sie einen ausgewiesenen Fachmann für den derzeit angeblich schwersten Job der Branche gewonnen. Der Niedersachse, ein Elektroingenieur, der beim Automobilzulieferer Continental und bei Volkswagen Spitzenpositionen bekleidet hat, gilt als ein „Car Guy“, ein Automann. Bei den Wolfsburgern hat Neumann den chinesischen Markt kennengelernt - auch das kein Nachteil für den Spitzenposten beim Autobauer aus Rüsselsheim.
Aber durch eine Personalie allein lassen sich die grundlegenden Probleme von Opel nicht lösen. Weder führt die Berufung Neumanns zu einem Schub auf dem Automobilmarkt in Europa, noch führt die Reputation des Managers zu einem großen Imagegewinn für das schwer gebeutelte Unternehmen oder zu einem geringeren Verlust bei Opel. Immerhin: Sollte die Entscheidung für Neumann ein Indiz dafür sein, dass Opel im GM-Verbund künftig internationaler als bisher auftreten darf, dann wäre mit dem neuen Chef für das Unternehmen tatsächlich einiges gewonnen.
Es ist keine leichte Aufgabe, die schwere Absatzkrise zu beenden
Bis auf weiteres muss der neue Vorstandsvorsitzende aber auch als Sparkommissar auftreten, denn die Überkapazitäten der Autobauer in Europa sind ebenso eine Tatsache wie die Defizite von Opel, die nach Meinung des Mutterkonzerns frühestens zur Mitte des Jahrzehnts abgebaut sein werden. Die Zukunft des Werks in Bochum bleibt ungewiss, gleichgültig, wer in Rüsselsheim das Sagen hat.
Zumindest hat man bei Opel in der Vergangenheit mit Managern, die von anderen Autobauern nach Hessen kamen, nicht die schlechtesten Erfahrungen gemacht. Dem von BMW gekommenen Carl-Peter Forster gelang es Anfang des vergangenen Jahrzehnts, die Qualitätsprobleme zu lösen. Neumann soll nun die Absatzkrise beenden. Das dürfte die ungleich schwerere Aufgabe sein.