Das Vorgehen hat Methode: Wenn die Geschäftsführung von Opel jetzt laut darüber nachdenkt, das Massen-Modell Astra künftig nicht mehr in Deutschland zu bauen, dann folgt sie einem vertrauten Schema. Mehr noch - sie folgt einer beim globalen Mutterkonzern General Motors (GM) erprobten Praxis: Die einzelnen Werke und ihre Belegschaften werden in einen internen Konkurrenzkampf um Lohnkosten und Produktivität gezwungen.
Vor vier Jahren hat sich das hochmoderne Stammwerk in Rüsselsheim schon einmal messen lassen müssen. Damals ging es um die Produktion der Mittelklasse, die derzeit der Insignia bei Opel repräsentiert. Als Sparringspartner für die hessische Fabrik deuteten die Konzernlenker damals die Saab-Werke im schwedischen Trollhättan aus. Als Argument für einen Wegzug aus Deutschland galt damals wie heute das Lohnniveau. Am Ende hatten die Rüsselsheimer auch bei den Kostenrechnern die Nase vorn, Saab wurde verkauft und steht mittlerweile in der Insolvenz.
Es gibt Überkapazitäten
Daran erinnert sich natürlich auch jeder Beschäftigte von Opel, und das nährt auch ihre Befürchtungen. Wenn das Werk in Rüsselsheim den Astra nicht mehr baut, dann könnte dort die Kapazität zum Beispiel mit dem Familienvan „Zafira“ gefüllt werden; dann jedoch stünde das ohnehin wiederholt als Schließungskandidat genannte Werk in Bochum auf der Kippe. Bei Gewerkschaften und Betriebsräten will man sich zwar nicht auf dieses Ausspielen der Standorte einlassen, bietet Lohnkürzungen als Sanierungsbeitrag an und fordert einen Geschäftsplan für die nächsten Jahre. Aber die Frauen und Männer in der Produktion wird das nur mäßig beruhigen.
Denn Tatsache ist, dass Opel und die anderen Großserienhersteller in Europa Überkapazitäten haben. Und die werden so oder abgebaut werden. Dass andere Autohersteller durch Verkäufe in aller Welt die Delle im europäischen Geschäft ausgleichen, nutzt Opel nicht. Halbherzig und zu spät hat GM die Zukunftsmärkte für die Hessen geöffnet.