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Kommentar zu OB-Wahl Typen statt Themen in Wiesbaden

 ·  Die Wiesbadener SPD darf sich freuen. Ihr Kandidat hat es in die Stichwahl geschafft. Nun lautet die Frage: Ob die Grünen ihren Anhängern empfehlen, im zweiten Wahlgang Gerich zu wählen?

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Die Wiesbadener SPD darf sich freuen. Ein bis vor kurzem noch weithin unbekannter achtunddreißigjähriger Sozialdemokrat hat den Amtsinhaber in die Stichwahl gezwungen. Dass Helmut Müller (CDU) sich nicht durchsetzen konnte, überrascht auf den ersten Blick. Er bot in den zurückliegenden Wochen keine großen inhaltlichen Angriffsflächen. Stattdessen pflegte der promovierte Volkswirt sein Image als sparsamer Finanzexperte, der den Haushalt in Ordnung hält. Der arbeitswütige Sechzigjährige gilt als populäres Stadtoberhaupt.

Dass es für ihn trotzdem nicht gereicht hat, liegt an Gerich. Er hat die Stadtpolitik als sozialdemokratischer Fraktionschef im Rahmen der großen Koalition mitgeprägt. Darum konnte er Müller nicht glaubwürdig attackieren. Doch diesen strategischen Nachteil glich er durch seine Persönlichkeit wieder aus. Er hat sich als Sympathieträger erwiesen.

Wählen Grünen-Anhänger nun Gerich?

Bei den Grünen liegen die Dinge umgekehrt. Christiane Hinninger ist ihrer Rolle als Oppositionsführerin auch im Wahlkampf gerecht geworden. Sie versuchte es mit inhaltlicher Kritik, bekam aber am Ende nur ein einstelliges Wahlergebnis, mit dem sie nicht zufrieden sein kann. Die schweren innerparteilichen Flügelkämpfe der zurückliegenden Jahre wirken anscheinend noch nach.

Ob die Grünen ihren Anhängern empfehlen, im zweiten Wahlgang Gerich zu wählen? Nicht nur die SPD wird darauf dringen. Hinninger muss auch mit Anrufen von Parteifreunden aus dem Landtag rechnen. Die werden sie daran erinnern, dass die Ökopartei auf der Landesebene demnächst eine Regierungskoalition mit der SPD bilden wolle. Dazu würde ein Votum zugunsten des Sozialdemokraten passen. Allerdings wäre eine Empfehlung zugunsten von Gerich unglaubwürdig. Er repräsentiert den Wirtschaftsflügel seiner Partei. Hinninger ist bekennende Linke.

Auf der anderen Seite dürfte Müller sein Potential auch angesichts der schwachen Wahlbeteiligung noch nicht ausgeschöpft haben. Er war als Favorit ins Rennen gegangen. Darum hat sich mancher, der die Stadt bei ihm in guten Händen sieht, gestern noch nicht auf den Weg ins Wahllokal gemacht. Das könnte in zwei Wochen anders sein.

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24.02.2013, 23:22 Uhr

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