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Multiresistente Erreger : Wer kommt für die Klärung verseuchter Bäche auf?

Vom Baden ist abzuraten: Auch in der Nidda wurden schon multiresistente Erreger gefunden. Bild: Stefan Cop

In den Frankfurter Bächen und Flüssen gibt es multiresistente Bakterien. Der Hygienefachmann Martin Exner bringt erstmals den Gedanken ins Spiel, das Verursacherprinzip geltend zu machen. Ein Kommentar.

          Die Nachricht, dass der beschauliche Eschbach, dessen Wasser aus dem Taunus kommt und in Frankfurt in die Nidda fließt, ein „Hotspot“ für multiresistente Erreger sein könnte, wie es vor knapp einem Jahr hieß, hat viele Bürger entlang des Flüsschens nachvollziehbarerweise verunsichert. Schnell wurde gefordert, die kommunalen Kläranlagen so auszustatten, dass die gefährlichen Keime abgefangen werden.

          Was Abwasserexperten schon vor einem Jahr vermutet haben, hat gestern in Frankfurt der Hygienefachmann Martin Exner bestätigt: Kläranlagen, die mit Ultrafiltern ausgestattet sind und Abwässer mit Ozon und UV-Strahlen desinfizieren, können die Anzahl resistenter Erreger im Wasser reduzieren, aber sie nicht vollständig eliminieren. Und es bleibt das Risiko, dass bei Starkregen, den es durch den Klimawandel immer häufiger geben wird, die Abwässer ungereinigt in die Flüsse gehen, da die Kläranlagen solche plötzlich auftretenden Wassermassen nicht aufnehmen können.

          Kliniken als Hauptverursacher

          Exner hat gestern erstmals den Gedanken ins Spiel gebracht, das Verursacherprinzip geltend zu machen. Die von ihm geleiteten Untersuchungen haben ergeben, dass, anders als es oft in der politischen Diskussion heißt, nicht die Landwirtschaft mit ihrer Massentierhaltung und dem dort üppig praktizierten Antibiotika-Einsatz Hauptverursacher für die Supererreger in den Gewässern und Seen ist. Vielmehr sind es die Kliniken.

          Statt nun also ein Milliarden-Euro-Investitionsprogramm für die Nachrüstung aller Kläranlagen in Deutschland loszutreten, das der Steuerzahler zu zahlen hat, wäre es sicher sinnvoller, den Kliniken vorzugeben, dass sie ihre Abwässer nicht einfach in die normale Kanalisation geben dürfen. Bisher, so sagt es Exner, gebe es dazu keine Auflagen. So ließe sich vermutlich das Übel an der Wurzel packen.

          Kampagnen gegen sorglosen Gebrauch notwendig

          Sicher muss auch über die Hygiene in Ställen der Massentierhaltungen nachgedacht werden. Wie auch über die Frage, in welchem Maße Gülle auf die Felder gefahren werden darf. Auch die Verbesserung der Kläranlagen bleibt weiter ein Thema. Nur wird es Jahre dauern, bis sie umgerüstet sind.

          Es braucht zudem Kampagnen wie jene des Frankfurter Gesundheitsamts, die darauf dringen, dass Ärzte und Patienten nur dann zu Antibiotika greifen, wenn es wirklich notwendig ist. Der sorglose Gebrauch sorgt dafür, dass die Antibiotika nicht mehr wirken, wenn sie gebraucht werden. Das Thema der Supererreger ist auf keinen Fall flugs erledigt.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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