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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar zu Krankenhäusern Mit großer Verantwortung

 ·  Der Systemstreit zwischen staatlichen und privaten Krankenhäusern hat bisher beiden Seiten genutzt.

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Wer sich als Unternehmer in einer Branche engagiert, in der die öffentliche Hand das Sagen hat, lädt sich besondere Verantwortung auf: Die weitgehend staatsgläubige Bevölkerung wird genau hinschauen, ob er es wirklich besser macht. Das gilt gerade für das sensible Feld des Gesundheitswesens, auf dem auch gemeinnützige Träger spielen, und bei dem die Bürger zu Recht keinen Spaß kennen. Ulf Schneider, der von Bad Homburg aus den Fresenius-Konzern steuert, wird sich das hoffentlich klargemacht haben, bevor er sich anschickte, ein Übernahme-Angebot für Rhön-Klinikum abzugeben.

Fresenius darf als ein Vorzeigeunternehmen der Region gelten; die Konzernmutter und die Tochtergesellschaft FMC sind zwei von nur sechs Dax-Konzernen im Rhein-Main-Gebiet. Trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung wird aber Fresenius kaum als ein Unternehmen des Ballungsraums gesehen, weil es bisher an herausragenden Standorten fehlt. Das würde sich mit der Übernahme der Universitätsklinik Gießen und Marburg sowie der 49-Prozent-Beteiligung an den Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden schlagartig ändern. Wer die einzige Universitätsklinik Deutschlands in privater Hand betreibt und sich in der Landeshauptstadt umtut, wird zum politisch bewerteten, letztlich auch politisch handelnden Unternehmer, ob er will oder nicht.

Ein starker Konzern ist kein Nachteil

Tatsächlich hat der Systemstreit, ob Kommunen, freie Träger oder renditeorientierte Konzerne die besseren Krankenhaus-Betreiber sind, bisher allen Seiten gutgetan. Über die hysterischen Reaktionen auf die angekündigten Stellenstreichungen in Gießen und Marburg sollte man nicht vergessen, dass Rhön eben nicht tatenlos zuschauen kann, wenn ein Betrieb in die roten Zahlen hineinläuft - anders als Kommunalpolitiker, die Defizite vielfach über Jahre hingenommen haben. Umgekehrt lernen Private, dass man ein Hospital nicht führen kann wie eine Konservenfabrik, schon gar nicht in Zeiten des Fachkräftemangels.

Ein starker Konzern, der seine Marktmacht verantwortungsbewusst einsetzt, muss daher kein Nachteil sein. Die meisten Krankenhäuser sind auch in Hessen ohnedies weiter in öffentlich-rechtlicher Hand oder gemeinnütziger Trägerschaft.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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