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Kommentar zu Kinderbetreuung : Wer zahlt, ist egal

Hessenweit fehlen weiter Plätze in Kinderbetreuungseinrichtungen Bild: dpa

Was das geplante Kinderförderungsgesetz finanziell für Städte und Gemeinden bedeuten könnte, ist offen. Denn die geplante Vereinfachung ist komplex - dagegen sind die Anforderung der Eltern einfach.

          Es sind drei Worte, die zeigen, wie kompliziert die Finanzbeziehungen zwischen Land und Kommunen sind: „Wir rechnen noch“, lautet die Antwort auf die Frage, was das geplante Kinderförderungsgesetz finanziell für Städte und Gemeinden bedeuten könnte. Und das, obwohl der Entwurf der Landesregierung schon im Dezember Thema im Landtag war. Dabei ist es eines der Ziele des Vorhabens, die Gesetzeslage zu vereinfachen.

          Die geplante Vereinfachung ist aber immerhin so komplex, dass die Verwaltungen landauf, landab noch immer nicht wissen, welche finanziellen Folgen die Änderungen für sie vom nächsten Jahr an haben könnten. Dass sich die Wiesbadener Koalitionäre die scharfe Kritik an ihrem Entwurf damit erklären, dass ihn Verbände und Träger nicht richtig verstünden, zeugt immerhin von Problembewusstsein.

          Fachfremde Angestellte in Kitas

          Viel wichtiger ist allerdings, welche Folgen das Gesetz für die Kinder haben wird. Dass ihnen damit geholfen sein wird, künftig in größeren Gruppen und zuweilen auch von fachfremden Angestellten betreut zu werden, darf bezweifelt werden. Dass fortan je Gruppe bis zu 16 Kinder im Alter zwischen einem Jahr und drei Jahren betreut werden dürfen, wird die Attraktivität des Erzieher-Berufs jedenfalls nicht steigern.

          Denn gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Erzieher: Sie sollen die Kinder nicht nur wickeln und sinnvoll beschäftigen. Sie müssen auch das nachholen, was in immer mehr Elternhäusern zu kurz kommt, etwa die Sprachentwicklung. Das Kinderförderungsgesetz soll dies ermöglichen. „Flexibilität“ nennt das Sozialminister Stefan Grüttner. Frankfurts Schuldezernentin warnt hingegen vor „dramatischen Folgen“ für die Betreuung in den Krippen. Während die Stadträtin fürchtet, zukünftig mehr städtische Mittel aufbringen zu müssen, weist der Sozialminister darauf hin, dass das Land mehr Geld zahlen wird als bisher.

          Mangel an Krippenplätzen

          Dass es aber ohnehin nicht nur auf die Menge des Geldes, sondern auf dessen richtige Verwendung ankommt, zeigt die Studie, über die derzeit bundesweit diskutiert wird. Dass Ehegatten-Splitting und Kindergeld nicht dazu beitragen, aus Deutschland ein kinderfreundliches Land zu machen, ist seit langem weitverbreitete Meinung. Trotzdem werden bis August in den wenigsten Kommunen genügend Krippenplätze zur Verfügung stehen, um den gesetzlichen Anspruch darauf zu erfüllen.

          So kompliziert die Rechnungen für die Kommunen derzeit sind, so einfach sind die Anforderungen der Eltern: Um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, brauchen viele einen Betreuungsplatz für ihr Kind. Wer dafür zahlt, ist ihnen egal.

          Christian Palm

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

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          Quelle: F.A.Z.

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