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Kommentar zu G9 Düpierte Ministerin

 ·  Gerade einmal drei Wochen im Amt, steckt die neue Kultusministerin Nicola Beer bereits in der Bredouille. Nicht aus eigenem Verschulden und nicht wegen der Opposition.

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Gerade einmal drei Wochen im Amt, steckt die neue Kultusministerin Nicola Beer (FDP) bereits in der Bredouille. Nicht aus eigenem Verschulden und nicht wegen der Opposition. Vielmehr ist es der Koalitionspartner CDU, der die ehrgeizige Liberale, gewollt oder ungewollt, öffentlich vorführt. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte mit seiner in einer Parteitagsrede gemachten Ankündigung, er wolle Gymnasien die Wahlfreiheit zwischen acht- und neunjähriger Schulzeit bis zum Abitur einräumen, den Stein ins Wasser geworfen.

Die Wellen, die dieser Wurf verursacht hat, lassen die Kultusministerin jetzt gehörig ins Schwanken geraten. Überrascht von Bouffiers unvermittelt und öffentlich vollzogener Kehrtwende, versucht Beer schon seit Tagen vergeblich, die Wogen zu glätten. Sie schließt zwar nicht aus, dass alle Gymnasien - wie bereits jetzt Kooperative Gesamtschulen - vom Schuljahr 2013/14 an frei entscheiden können, ob sie das Abitur nach acht oder nach neun Jahren anbieten. Festlegen lassen will sie sich aber wohlweislich noch nicht, sondern zunächst bis zum Herbst prüfen, ob diese Lösung überhaupt sinnvoll und vor allem ohne größere Verwerfungen zu realisieren ist.

Es wird wohl kein Debakel

Anders der bildungspolitische Sprecher und stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jürgen Irmer. Der fuhr „seiner“ Ministerin gestern im Kulturausschuss des Landtags zur Freude der Opposition in die Parade und verkündete im Brustton der Überzeugung, dass die Optionslösung quasi bereits beschlossene Sache sei. Bewundernswert, wie Beer diese Maßregelung stoisch-lächelnd über sich ergehen ließ, statt angesichts von so viel Chuzpe aus der Haut zu fahren.

Dank der Gelassenheit der Ministerin wird aus der G-8-Debatte wohl kein G-8-Debakel, geschweige denn eine Koalitionskrise. Bouffier allerdings, der von sich behauptet, seine Politik sei wenn nicht ambitioniert, so doch verlässlich, muss sich fragen lassen, warum er mit einem Schnellschuss ausgerechnet auf dem sensiblen Feld der Bildungspolitik für so viel Durcheinander gesorgt hat.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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