Als Armin Veh im Mai 2011 bei der Eintracht unterschrieb, war das eine Überraschung. Wenn er bald seinen Abschied für diesen Sommer ankündigen würde, wäre es keine. In den vergangenen beiden Jahren hat der Trainer Beachtliches geleistet. Den Preis des gemeinsamen Erfolgs können die Frankfurter womöglich nicht bezahlen. Die Schalker Offerte spiegelt eine Naturgesetzmäßigkeit der Branche wider: Wer Geld hat, besitzt ein Lockmittel, das viele andere Argumente aussticht.
Vehs Marktwert ist erheblich gestiegen. Beim Zusammenstellen einer Mannschaft, die für den Wiederaufstieg bereit war, bewies er Geschick. Ein glückliches Händchen besaß er auch bei der Wahl der Zugänge, dank deren Mithilfe sich die Eintracht seitdem bei ihrem Comeback in der ersten Klasse wacker schlägt. Sein Wirken musste jedem Mitbewerber auffallen, der nach einem Coach mit strategischen Fähigkeiten sucht.
Ein Schritt zurück
Vehs Karriereverlauf hinterließ vor seinem Abstieg zur Eintracht in die zweite Liga den Anschein, als habe er die besten Zeiten hinter sich: Meister mit Stuttgart, ein Intermezzo in Wolfsburg und Chef beim HSV - und dann, kurz nach der Trennung von den Hanseaten, ein Engagement als Entwicklungshelfer bei der Eintracht? Mit dem Schritt zurück machte er tatsächlich so viel richtig, dass es ihn persönlich nun auch gutes Stück (in der Gehaltsklasse) voran bringen kann. Dass er seine Stärken zum Wohle der Eintracht einbringen konnte, hat viel mit deren überschaubarer Größe zu tun.
Beim HSV vergeudete Veh viel Energie in Diskussionen mit einem elfköpfigen, zerstrittenen Aufsichtsrat, während es in Frankfurt nur drei Männer seines Vertrauens sind, mit denen er sich arrangieren muss. Und die an seiner Seite die Renaissance der Mannschaft einleiteten - aber dem Trainer nie dessen Platz im Rampenlicht streitig machten: Sportdirektor Hübner sowie die Vorstandsmitglieder Bruchhagen und Hellmann. Weil das Quartett bei aller Unterschiedlichkeit geräuschlos zusammenarbeitete, zog sich die Eintracht auch bei frühzeitig eingefädelten Transfers von Oczipka, Inui, Aigner oder Trapp so respektabel aus der Affäre. Da dieser Vorteil sonst verloren ginge, muss der Verein schnell auf eine Entscheidung drängen: Vehs Bedeutung ist unbestritten, wichtiger ist aber eine langfristige Strategie, die auch unerwünschte Personalwechsel verkraftet.
Besetzung des wichtigsten Postens
Nun, da die Vierergruppe einen maßgebenden Mitstreiter zu verlieren droht, rücken die anderen mehr in den Vordergrund. Gelingt es ihnen nicht, den Trainer von einem Verbleib zu überzeugen, dürfen sie sich keinen Fehler bei der Besetzung des wichtigsten Postens erlauben. Im Klub gibt es intern keinen geeigneten Nachfolger. Alexander Schur, der ehemalige Kapitän, absolviert bei der U23 seine Lehrzeit und ihm trauen sie die Bundesliga (noch) nicht zu. Anwärter sind aber gefunden: Am aussichtsreichsten liegen auf der Ersatzkandidatenliste Kosta Runjaic und Roger Schmidt im Rennen.
Es wäre keine Verblüffung, wenn einer von ihnen, auf die Bruchhagen große Stücke hält, auf der Eintracht-Bank sitzen würde, wenn Veh eben nicht mehr mag. Beide stehen noch andernorts unter Vertrag. Die Fußball-Standorte Duisburg und Salzburg haben aber nicht das Renommee, das Frankfurt bieten kann. Und im Zweifelsfall gilt auch in ihrem Fall: Geld wäre ein geeignetes Lockmittel.