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Kommentar zu Eintracht-Fans Selbstreinigung ist angesagt

10.05.2011 ·  Die Eintracht hat sich in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga nicht gerade kraftvoll gezeigt. Bei den Frankfurter „Ultras“ ist das anders. Inzwischen leidet der Ruf der Stadt, denn Frankfurt gilt als Heimat des Problempublikums Nummer eins in der Bundesliga.

Von Uwe Marx
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Ein Spielverderber war die Eintracht in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga nicht gerade. Zu verunsichert und gelähmt war sie, um ihren Gegnern zu schaden. Bei den Frankfurter „Ultras“ ist das anders. Ein Teil dieses harten, oft gewaltbereiten Kerns der Eintracht-Fans ruiniert das Image des Vereins und lässt die Konkurrenz Schlimmes befürchten. Borussia Dortmund zum Beispiel. Der neue deutsche Meister ist am Samstag der letzte Gegner der Eintracht in dieser Saison und möchte vor eigenem Publikum seinen Titelgewinn feiern. Dort ist die Sorge groß, dass die Frankfurter Ultras dazwischenkommen. So wie am Samstag, als mehr als hundert von ihnen nach dem 0:2 gegen Köln den Rasen der Commerzbank-Arena stürmten und von einem Großaufgebot der Polizei gestoppt werden mussten. Oder wie so viele Male zuvor bei unerklärlichen Ausbrüchen von Gewalt.

Inzwischen leidet der Ruf der Stadt, denn Frankfurt gilt als Heimat des Problempublikums Nummer eins in der Bundesliga. Aggressives Auftreten, Leuchtraketen, Steine und Flaschen als Waffen, Sachbeschädigung, zuletzt sogar ein Warnschuss der Polizei – wo Ultras das Kommando übernahmen, obsiegte der Exzess. Dabei hat diese große Gruppe auch Besseres zu bieten. Der friedliche Teil verwandelt die Arena regelmäßig in eines der stimmungsvollsten Stadien des Landes. Gemessen an Lautstärke und Choreographie wirkt etwa die Heimstätte des FC Bayern wie ein Ort der Stille und Einfallslosigkeit. Es ist etwas eigentlich Gutes, aus dem das Schlechte kommt.

Durch die Arbeit von Fanprojekten hat sich wenig gebessert

In München hing letztens ein Banner, auf dem das Selbstverständnis aller Ultras stand: „Was ist falsch, wenn Leute mitreden, für die der Verein Teil ihres Lebens ist?“ Diese Sorte Anhänger hält sich für die Seele ihrer Vereine, für eine Trutzburg gegen Kommerzialisierung und atmosphärischen Niedergang im Fußball. Sie will Sonderrechte haben und die Regeln bestimmen – was im Stadion erlaubt ist, wie Stimmung definiert wird, was man anderen Zuschauern zumuten darf.

Die Eintracht ist zwar um einiges seriöser geworden, aber diese Entwicklung hat auch sie nicht stoppen können. Am Ende muss immer die Polizei herhalten, um Fangruppen zurückzudrängen, durch Innenstädte zu eskortieren oder Spieler zu schützen. Auch durch die Arbeit von Fanprojekten hat sich wenig gebessert. Sie fordern mehr Respekt, Kommunikation, Freiräume, wirken aber auch überfordert. Bliebe noch eine Selbstreinigung, eine entschlossene Distanzierung der vielen gewaltfreien von den gewaltbereiten Fans. Noch ist nichts davon zu sehen.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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