05.02.2010 · Condor will Kelsterbach verlassen. Gateway Gardens steht als neuer Standort noch nicht fest. Das Urteil über den Frankfurter Wirtschaftsdezernenten ist dagegen schon gefällt: Die Unternehmensspitze ist voll des Lobes.
Von Jochen RemmertVor nicht allzu langer Zeit waren Klagen von Unternehmern über mangelndes Engagement der Stadt Frankfurt bei der Suche nach geeigneten Grundstücken durchaus keine Ausnahme. Dass einige ins Umland auswichen, hatte nicht nur etwas mit dem hohen Gewerbesteuerhebesatz in Frankfurt zu tun, sondern bisweilen auch mit einer gewissen Behäbigkeit der Verantwortlichen, die mancher mit Selbstgefälligkeit in Verbindung bringt.
Am Beispiel der Fluggesellschaft Condor zeigt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), dass es auch anders laufen kann. So war er zwar nicht der erste Politiker der Region, der von den Erwägungen des Condor Flugdienstes erfahren hat, die bisherige Zentrale in Kelsterbach aufzugeben. Seit er aber weiß, dass Condor einen neuen Standort sucht und zudem Gateway Gardens ganz oben auf der Liste der favorisierten Standorte steht, hat er keine Zeit verloren, die Flieger zu umgarnen.
Lob für Frank
Condor und der Mutterkonzern Thomas Cook haben sich noch nicht endgültig für Gateway Gardens entschieden. Das Urteil über Frank ist dagegen schon gefällt: Die Unternehmensspitze ist voll des Lobes über den Wirtschaftsdezernenten. Tatsächlich engagiert sich Frank auch in Details, in denen bekanntlich der Teufel steckt, etwa in Fragen Straßenanbindung. Er ist dabei zu Recht der Überzeugung, dass eine Stadt mit hohen Infrastrukturkosten wie Frankfurt im Standortwettbewerb nicht über einen niedrigeren Gewerbesteuersatz punkten kann, sondern nur über die Lagevorteile des Grundstücks und ein Servicepaket der Stadt. Die Standortqualität von Gateway Gardens ist unbestritten; die Anbindung der Fläche zum Vorfeld ist für die Anforderungen einer Airline geradezu ideal.
Dennoch bleibt die Frage, wieso Frank nicht über die städtische Wirtschaftsförderung von den Plänen der Condor erfahren hat. Selbst im kleinen Raunheim waren sie längst bekannt, und es wurden dort schon Pakete geschnürt, um die Fluggesellschaft für sich zu gewinnen. Hier muss der Dezernent nachhaken.
Airline-Zentrum keine unrealistische Idee
Im übrigen zeigt der Fall, dass die anfänglichen Zweifel an der Eignung Franks unberechtigt waren. Wenn Frank davon spricht, dass der Zuzug der Condor von weiteren Fluggesellschaften als Aufbruchsignal verstanden werden könnte, dann zeigt das vielmehr, dass er auch das strategische Verständnis hat, das es braucht, um Frankfurt als Standort zu entwickeln. Ein Airline-Zentrum auf dem Gateway Gardens-Gelände ist eine nicht unrealistischer Idee. Schließlich gibt es Dutzende Airlines, die mit ihren Deutschland-Dependancen noch ziemlich verstreut sind in Frankfurt und Rhein-Main, die aber durchaus ein Interesse haben, näher an den Flughafen zu rücken. Räumliche Nähe zur Konkurrenz wirkt auch in dieser Branche keineswegs abschreckend. Die Wirtschaftsförderung hat jetzt einen Folgeauftrag.