http://www.faz.net/-gzg-76698

Kommentar zu Christopher Jahns : Viele atmen durch

Untreueverdacht: Der ehemalige EBS-Chef Christopher Jahns. Bild: dapd

Die Ruhe ist um Christopher Jahns ist nur vorläufig. Denn die Eröffnung eines Hauptverfahrens ist kein Schuldspruch.

          Ein Hauptverfahren ist zu eröffnen, wenn die Wahrscheinlichkeit überwiegt, dass der Beschuldigte verurteilt wird. Darum ist die gegen Christopher Jahns gerichtete Entscheidung des Landgerichts von einigem Gewicht. Der frühere Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht geht einen schweren Gang. Andere können erst einmal durchatmen. Da ist zunächst sein früherer Arbeitgeber. Die private Hochschule hatte nach Jahns’ vorübergehender Festnahme im April 2011 acht Kündigungen gegen ihn ausgesprochen und kann sie nun mit der Eröffnung des Hauptverfahrens nachträglich rechtfertigen.

          Auch Oberstaatsanwältin Gabriele Türmer, der Jahns’ Anwälte schwerwiegende Pflichtverletzungen angelastet haben, scheint aus dem Schneider zu sein. Die Entscheidung des Landgerichts ist eine Bestätigung der Anklageerhebung. Der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) darf sich ebenfalls freuen. Der Vorwurf, er habe zugesehen, wie ein Unschuldiger mit rechtswidrigen Methoden verfolgt worden sei, hat sich erst einmal erledigt. Auch Jahns’ Klage gegen das Land Hessen erscheint jetzt zunächst in einem anderen Licht. Wer seine Unschuld bewiesen hat, tut sich leichter als ein Angeklagter, die Forderung nach Schmerzensgeld zu begründen.

          Stark in die Sphäre der Politik hineingewirkt

          Und der Ministerpräsident? Volker Bouffier (CDU), von Beruf Rechtsanwalt, hatte die Ermittlungen gegen Jahns nach Berichten von Teilnehmern in einer vertraulichen Sitzung der CDU-Landtagsfraktion mit den „Zuständen in Putin-Land“ verglichen. Heute kann er immerhin darauf verweisen, dass er der Oberstaatsanwältin schriftlich versichert hat, keinen Zweifel an ihrer korrekten Aufgabenerfüllung zu haben. Und wer ist schon gern Regierungschef eines Landes, in dem das Recht mit Füßen getreten wird?

          So gesehen, ist mit der aktuellen Entscheidung des Landgerichts ein vielschichtiger juristischer Konflikt beruhigt worden, der stark in die Sphäre der Politik hineingewirkt hat. Aber die Ruhe ist nur ein vorläufiger Zustand. Denn die Eröffnung eines Hauptverfahrens ist kein Schuldspruch.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Folgen:

          Quelle: F.A.Z.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Zwei F-35 Kampfflugzeuge von Lockheed Martin: Das Unternehmen mit Sitz in Bethesda im Bundesstaat Maryland steigerte zuletzt seine Waffenverkäufe um 10,7 Prozent.

          Sipri-Studie : Rüstungskonzerne verkaufen wieder mehr Waffen

          Nordkorea, Nahost, Ukraine - die Spannungen nehmen zu. Davon profitieren internationale Rüstungskonzernen. Wie groß deren Gewinne sind, zeigt eine aktuelle Studie. Ein Land beherrscht den weltweiten Markt.
          Anne Will diskutiert mit ihren Gästen Trumps Nahost-Politik. Dabei kommt es zu manch schrägem Vergleich.

          TV-Kritik „Anne Will“ : Das Recht des Stärkeren

          Bei Anne Will geht es um die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem. Es kommt zu schrägen Vergleichen. Man redet von der „Anerkennung von Realitäten.“ Doch welche sollen das sein?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.