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Kommentar zu Blockupy-Fazit Vier Tage im Mai

 ·  Niemand kann sagen, wie viele Gewalttäter sich an den Blockupy-Tagen von 5000 Polizisten abhalten ließen. Der Gedanke, zu stark abgeschreckt, aber Schlimmes verhindert zu haben, lässt sich eher ertragen als das Gegenteil.

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Ist die Demokratie in Frankfurt mit Füßen, gar mit Polizeistiefeln, wie das Blockupy-Bündnis wohl eigentlich meint, getreten worden? Nachdem die Großdemonstration weitgehend friedlich, ja fast heiter geblieben ist, triumphieren die Organisatoren. Sie sehen sich darin bestätigt, die „Orgie“ der Verbote habe sich als völlig überzogen erwiesen.

Die Bilder vom abgesperrten Bankenviertel, von den buntgeschminkten Gesichtern und den riesigen Puppen im Protestzug sind um die Welt gegangen. Am Donnerstag hatte das Fernsehen lächelnde Kapitalismuskritiker gezeigt, wie sie hinter Polizeiketten im Rhythmus der Trommeln vor der Paulskirche schunkelten. Am Ursprungsort der deutschen Demokratie sollte das Versammlungsverbot ad absurdum geführt werden.

Szenarien zählen nicht mehr

In der Sicht nicht weniger Beobachter mag das gelungen sein. Denn nun, da alles glimpflich ausgegangen ist, zählen die vor den „Aktionstagen“ befürchteten Szenarien von Blockaden und Straßenschlachten im Bankenviertel nicht mehr. Dabei waren sie keineswegs aus der Luft gegriffen. Zu den schlimmen Erfahrungen einer ähnlich motivierten Demonstration am 31. März kamen über das Internet verbreitete, martialisch illustrierte Aufrufe, diesmal den Finanzdistrikt zu „fluten“ und dort „Krieg“ gegen den Kapitalismus zu führen. Das haben Behörden und Gerichte ernst genommen und wenig von der Beschwichtigung gehalten, bei den Blockupy-Aktivitäten handele es sich um eine Art Gesamtkunstwerk.

Keine Seite kann nun zur Tagesordnung übergehen. Die Linke und Gewerkschaftsgruppierungen müssen sich überlegen, ob sie sich noch einmal auf ein Bündnis einlassen, dessen Spektrum so breit ist, dass man sich leicht für nicht verantwortlich erklären kann, wenn „Aktivisten“ doch für Krawalle sorgen. Sicherheitspolitiker und Polizei wiederum sollten nach diesen vier Tagen, in denen ein internationaler Finanzdistrikt wie gelähmt wirkte, erwägen, ob nicht eine etwas flexiblere Taktik angebracht gewesen wäre.

Niemand vermag zu sagen, wie viele Gewalttäter sich von 5000 Polizisten abhalten ließen. Der Gedanke, womöglich etwas zu stark abgeschreckt, aber Schlimmes verhindert zu haben, lässt sich eher ertragen als das Gegenteil.

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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