15.08.2008 · Bei der Hessen-SPD stehen die Zeichen auf Rot-Grün-Rot. Die Hoffnungen der bürgerlichen Parteien richten sich derweil auf die Grünen. Die Öko-Partei könnte Andea Ypsilanti noch die Tour vermasseln. Doch wollen das die Grünen überhaupt?
Von Ralf EulerAlle, die mit dem Gedanken spielen, aus Hessen auszuwandern, weil sie nach der Regierungsübernahme Schaden für das Land befürchten, blicken in diesen Tagen hoffnungsvoll in Richtung der Grünen. Von ihnen erhoffen die verunsicherten Anhänger von CDU und FDP jene Konsequenz, mit der eine Einflussnahme der Linkspartei auf die Landespolitik vielleicht doch noch zu verhindern wäre. Wenn es SPD-Chefin Andrea Ypsilanti vor allem um das Wohl ihrer eigenen Partei gehe, so die vage Hoffnung, müssten doch wenigstens die Grünen das Wohl Hessens im Blick behalten.
Die Grünen also sollen es richten. Ausgerechnet jene Partei, die vor nicht einmal 20 Jahren vielen als Hort des Bösen und Garant des wirtschaftlichen Niedergangs galt. Tatsächlich stehen die hessischen Grünen eher für eine Politik mit Vernunft und Augenmaß.
Auch die Grünen streben nach einem Politikwechsel
Die Grünen sind es denn auch folgerichtig, die derzeit bei Ypsilanti auf die Euphoriebremse treten und sie ermahnen, die Verlässlichkeit der Linkspartei auszutesten. Wie kalkulierbar kann eine Ansammlung von „frustrierten Ex-SPDlern, Ex-DKPlern und Ex-PDSlern bis hin zu Vertretern von obskuren trotzkistischen Gruppierungen“ sein, wie sie der Grünen-Landesvorsitzende und Fraktionschef im Landtag Tarek Al-Wazir einmal genannt hat? Auf ein „Himmelfahrtskommando“, dessen Überleben von der anlassbezogenen Willfährigkeit der Linken abhängig ist, will sich der Grünen-Chef nicht einlassen. Doch sollte sich auch niemand der Illusion hingeben, dass Al-Wazir insgeheim ein Jamaika-Bündnis mit CDU und FDP anstrebe. In einer solchen Konstellation wäre seine Partei nur drittes Rad am Roller, und sollte es zu Neuwahlen kommen, könnte sie zwar auf ein besseres Ergebnis hoffen, müsste sich aber möglicherweise wieder mit der Rolle einer Oppositionsfraktion unter einer von Roland Koch geführten CDU/FDP-Regierung begnügen. Keine schöne Aussicht.
Die Grünen wie die Sozialdemokraten wollen nach neun Jahren Abstinenz endlich wieder einmal regieren, wollen Koch ablösen und einen Politikwechsel erreichen. Wenn das nur mit der Linkspartei möglich ist, werden sie es tun. Nicht um jeden Preis, aber in der ermunternden Gewissheit, dass die Chance, die sich den Grünen jetzt bietet, so schnell nicht wiederkommt.
Lamiauma Politik!
Shora Fix (shorafix)
- 15.08.2008, 21:07 Uhr