Mit großem Aufwand versucht man im Bistum Limburg neue Wege der Seelsorge zu finden. Sogar eine Wallfahrt zu den Wirkungsstätten Jesu gehörte zum Projekt „Bereitschaft zur Bewegung“, das Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst initiiert hat. Es sollten in erster Linie Ideen entwickelt werden, wie der Glaube vor allem für dem Christentum Fernstehende an Bedeutung gewinnen könnte, „gerade auch an nicht typisch kirchlichen Orten“. So weit das Ziel.
Die Wirklichkeit des Projekts ist eine andere: Das Bistum befasst sich zur Zeit sehr mit sich selbst, missionarische Impulse fehlen weitgehend. Selbstvergewisserung steht an erster Stelle – und das wird vermutlich noch eine ganze Weile so sein.
Erweis von Frömmigkeit
Verwunderlich ist das nicht. Die kirchliche Großwetterlage ist schwierig: Es wird Großpfarreien geben, weil die Zahl der Priester bei weitem für die bisherige Gemeindegröße nicht mehr ausreicht und die Zahl der Gläubigen weiter und weiter zurückgeht. Hier stehen dem Bistum noch harte Jahre bevor. Andererseits hat die katholische Kirche stellenweise noch immer ein herkömmliches Gepräge, obwohl sie eigentlich keine Volkskirche mehr ist. Das bringt erhebliche Spannungen mit sich. Hinzu kommen Krisen wie der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester.
Das Bistum Limburg sollte vor lauter Suchen nach neuen Wegen das Bewährte nicht geringschätzen, das eine Kirche attraktiv machen kann: phrasenfreie Predigten beispielsweise, ein schülernaher Religionsunterricht, Zuwendung zu Menschen in Not und der erkennbare Wille, in dieser Welt immer wieder neu Fuß zu fassen. Die Kirche darf keine Parallelgesellschaft für spirituelle Experten allein sein.
Nicht ohne Grund haben die Verantwortlichen im Projekt „Bereitschaft zur Bewegung“ erfahren, dass sich Ehrenamtliche am ehesten für praxisrelevante Tätigkeiten finden, etwa für die Mitarbeit in einer Anlaufstelle für Bedürftige oder in einer Hausaufgabenhilfe für Grundschüler. Auch das ist ein Erweis von Frömmigkeit und so gesehen sogar ein missionarischer Impuls.