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Kommentar Zehn Jahre danach

11.09.2011 ·  Dass Deutschland bisher von Anschlägen auf das öffentliche Leben verschont geblieben ist, hat viele Gründe. Der Druck auf die Sicherheitsbehörden bleibt enorm.

Von Helmut Schwan
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Fast genau zehn Jahre nach den Anschlägen in den Vereinigten Staaten hat vor einigen Tagen in Frankfurt der Prozess zum ersten „islamistisch motivierten Terrorakt“ in Deutschland begonnen. Zeitlich betrachtet ein Zufall, ist die Koinzidenz aber auch ein Symptom dafür, wie sich die Bedrohungslage gewandelt hat. Die größere Gefahr, so heißt es, gehe mittlerweile von „einsamen Wölfen“ aus, die sich, aufgeputscht durch Propaganda, entschlössen, am jeweiligen Aufenthaltsort auf eigene Faust in den „Krieg gegen die Ungläubigen“ zu ziehen. Als eben solcher Einzeltäter gilt Arid U., der Anfang März in Frankfurt zwei amerikanische Soldaten erschoss.

Im Schock des 11. September 2001 und auch noch in den folgenden Jahren hielt man hingegen allein Organisationen wie das sogenannte Terrornetzwerk Al Qaida für fähig, in den Zentren des ihnen verhassten Westens Attentate zu verüben. Die Finanzmetropole Frankfurt mit ihrer amerikanisch anmutenden Skyline erschien und erscheint als eines der potentiellen Ziele.

Die Freiheit zu verteidigen bleibt anstrengend

Dass Deutschland bisher von Anschlägen auf das öffentliche Leben verschont geblieben ist, während in London und Madrid Bomben explodierten, hat viele Gründe. Polizei und Verfassungsschutz haben die Zeit genutzt, Alarmsysteme zu verfeinern und die Kooperation mit ausländischen Diensten zu verbessern. Hinzu kam aber auch Glück, etwa als der „Kofferbomber“ den Zünder nicht richtig eingestellt hatte.

Der Druck auf die Sicherheitsbehörden bleibt enorm, auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung das unbequeme Thema inzwischen etwas verdrängt zu sein scheint. Die aus den Archiven geholten Endlosschleifen der Bilder, die zeigen, wie die Türme des World Trade Centers zusammenbrechen, rufen in Erinnerung, wozu zu allem entschlossene Menschen fähig sind.

Die Terrorgefahr für Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren als „latent“ oder als „abstrakt“ oder, wie gestern, als „intensiviert“ eingestuft worden. Einen großen Unterschied macht das von außen betrachtet nicht. Voraussichtlich werden auch noch in den nächsten zehn Jahren Tausende Polizisten Streife gehen, und Tausende ihrer Kollegen werden vor Computern nach Spuren von Terroristen suchen. Die Freiheit auf diese Weise zu verteidigen bleibt anstrengend. Und hoffentlich meistens erfolgreich.

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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