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Kommentar Wut rechtfertigt nicht alles

17.02.2012 ·  Wer wehleidig ist, sollte von Politik die Finger lassen, denn schnell fällt im Streit der Meinungen einmal ein derber Ausdruck.

Von Werner D’Inka
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Wer wehleidig ist, sollte von Politik die Finger lassen, denn schnell fällt im Streit der Meinungen einmal ein derber Ausdruck. Nicht jede Wut rechtfertigt freilich jede Wortwahl. "Lügner" ist schwer erträglich, aber in der Hitze einer Bürgerversammlung gerade noch akzeptabel. Wer Gegner als "Kinderschänder" tituliert, hat allerdings in einer zivilisierten Diskussion nichts verloren - bei allem Verständnis für die Sorgen von Eltern, deren Kinder in der Schule oder zu Hause Fluglärm ertragen müssen.

Boris Rhein, der Oberbürgermeisterkandidat der Frankfurter CDU, ist keiner, der einem hitzigen Streit aus dem Weg geht. Niederbrüllen, anpöbeln oder auspfeifen lassen muss er sich allerdings so wenig wie jeder andere Bewerber. Deshalb ist es beruhigend, dass in Oberrad besonnene Flughafengegner jene zur Ordnung riefen, die sich nicht in der Gewalt haben (siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung, Seite 42).

Verbale Maßlosigkeit

Der Frankfurter Oberbürgermeister-Wahlkampf bringt ohnehin einige Merkwürdigkeiten hervor. Es fällt auf, wie wenig selbst Mitglieder der feineren Gesellschaft dabei finden, sich im Ton zu vergreifen, wenn es um das Thema Fluglärm geht. Da legen Bildungsbürger eine verbale Maßlosigkeit an den Tag, wie man sie sonst nur aus Hüttendörfern kennt.

Bemerkenswert auch die Chuzpe derer, deren Parteien den Flughafenausbau mitbeschlossen haben, die jetzt aber so tun, als hätten sie mit der Sache nicht nur nichts zu schaffen, sondern als seien sie von Anfang an dagegen gewesen. Erinnert die Grünen-Kandidatin Rosemarie Heilig eigentlich jemand daran, dass es die rot-grüne Bundesregierung war, die Ende August 2000 ein nationales Flughafenkonzept billigte, die für Frankfurt einen Ausbau auf 120 Flugbewegungen je Stunde vorsah? Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen). Mit den Verhältnissen in Frankfurt bestens vertraut: Joseph Fischer, Bundesminister des Auswärtigen (Bündnis 90/Die Grünen).

Auffallend ist auch das Schweigen derjenigen, die mit vielen guten Gründen für den Ausbau des Flughafens sind. Die Elektro- und die chemische Industrie haben jetzt daran erinnert, dass die hessische Wirtschaft mit einer Exportquote von mehr als 50 Prozent die Flugverbindungen von Frankfurt aus dringend braucht. Sonst hört man von der Wirtschaft wenig bis nichts. Genau so funktioniert die Schweigespirale: Die eine Seite trumpft auf und schüchtert ein, die andere Seite spricht allenfalls hinter vorgehaltener Hand.

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