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Kommentar Wollen wir nicht haben

05.05.2009 ·  Raubkunst passt nicht mit dem „Schönen, Wahren, Guten“ zusammen, sie repräsentiert das genaue Gegenteil: Hässlichkeit, Lüge, Unmoral. Doch Raubkunst ist nicht so leicht zu identifizieren, wie viele glauben.

Von Hans Riebsamen
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Unrecht Gut gedeiht nicht – selbst, wenn es ins Museum gebracht wurde. Raubkunst passt nicht mit dem „Schönen, Wahren, Guten“ zusammen, sie repräsentiert das genaue Gegenteil: Hässlichkeit, Lüge, Unmoral. Deshalb haben der Frankfurter Städel-Direktor Max Hollein und seine Kollegen Jan Gerchow vom Historischen Museum und Ulrich Schneider vom Museum für Angewandte Kunst völlig recht, wenn sie klarstellen: Wir wollen in unseren Häusern keine Kunstwerke, die in der NS-Zeit Juden oder Regimegegnern gestohlen oder abgepresst wurden.

Doch Raubkunst ist nicht so leicht zu identifizieren, wie viele glauben. Gemälde oder Möbel, deren Besitzer leicht und eindeutig zu identifizieren waren, sind zum größten Teil nach dem Krieg an diese – sofern sie noch lebten – oder an die Erben zurückgegeben worden. Das Raubgut, um das es heute geht, hat oft verworrene Wege genommen, nicht selten über mehrere Länder und Stationen. Zuweilen ist es sogar erst nach dem Krieg von einem Museum hier oder im Ausland unwissentlich erworben worden.

Dubiose Herkunft

Die „Restitution“, die Rückgabe an den rechtmäßigen Besitzer oder Erben, ist also keine rein deutsche, sondern eine internationale Aufgabe. In der „Washingtoner Erklärung“ von 1998 haben sich Deutschland und andere Staaten selbst verpflichtet, die Vorkriegseigentümer ausfindig zu machen und mit ihnen eine „gerechte und faire Lösung“ auszuhandeln. Diese muss nicht unbedingt Rückgabe heißen, in vielen Fällen ist bisher eine auch für das jeweilige Museum günstige Übereinkunft gefunden worden.

Die Museen tun gut daran, nicht zu warten, bis ein Anwalt sich meldet und ein bestimmtes Objekt für seinen Mandanten beansprucht. Wie das Frankfurter Städel, das schon 2001 unter Holleins Vorgänger eine Stelle für Provenienzforschung eingerichtet hat, sollten die Häuser von sich aus aktiv werden und ihre Bestände auf Kunstwerke dubioser Herkunft hin durchforsten. Entscheidend ist die Grundhaltung. Und die sollte wie in den drei genannten Frankfurter Museen die eines „Nicht-haben-Wollens“ sein.

Faire Lösung

Die Politik hat damals den Museen die Raubzüge ermöglicht, hat die Direktoren zum Beutemachen ermuntert oder gezwungen. Jetzt sollte die Politik etwa in Person der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst speziell die Landesmuseen, aber auch alle anderen Museen im Land ermuntern, unrecht Gut aus eigenem Antrieb zu identifizieren und für dessen Verbleib eine faire Lösung zu finden, soweit das möglich ist.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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