Home
http://www.faz.net/-gzg-xv2q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Wohnen und Brauen

 ·  Es ist ein alter Konflikt. Wo Wohnen und Arbeiten aufeinandertreffen, fliegen die planungspolitischen Fetzen. So auch im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.

Artikel Lesermeinungen (0)

Es ist ein alter Konflikt. Wo Wohnen und Arbeiten aufeinandertreffen, fliegen die planungspolitischen Fetzen. So auch im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, wo auf dem ehemaligen Henninger-Areal ein neues Wohngebiet entwickelt werden soll – direkt neben einem Industriestandort. Der Streit um Lärm ließ nicht lange auf sich warten.

Die Industrie, in diesem Fall die Radeberger-Gruppe, fürchtete Klagen künftiger Nachbarn gegen den lauten Brauereibetrieb. Das Unternehmen bangte um die Entwicklungsmöglichkeiten. Das Bierbrauen selbst ist dabei nicht das Problem. Viel lauter ist es, das Bier zu verladen. Wer je neben einem Getränkemarkt wohnte, der weiß, wie nervtötend Glasflaschen klirren können, die auf Lastwagen verladen werden.

Härteste Verhandlungen

Das Henninger-Areal zählt mit seinem Skyline-Blick zu den Flächen, denen für die Stadtentwicklung eine besondere Bedeutung beigemessen wird. Das Gelände ist längst planiert, eigentlich könnten dort jeden Tag die Bagger anrücken, um Wohnungen für bis zu 2000 Frankfurter zu bauen.

Aber die Streithähne konnten sich lange nicht einigen. Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) sprach am Montag von den härtesten Verhandlungen seiner Amtszeit. Das will etwas heißen, denn Schwarz sitzt immerhin schon seit 1999 im Magistrat. Es ist ein großer Erfolg für den Planungsdezernenten, dass er die beiden Parteien dennoch zum Kompromiss geführt hat.

Auch so gibt es in diesem Spiel fast nur Gewinner

Für die Entwicklung Frankfurts ist es wichtig, dass es auf dem Henninger Areal endlich vorangeht. Denn das Neubaugebiet wird etwas Druck vom aufgeheizten Wohnungsmarkt nehmen. Dass dort der in Frankfurt besonders dringend benötigte günstige Wohnraum entstehen könnte, ist allerdings nicht zu erwarten. Der Investor, die zur Hopp-Familie gehörende Actris AG, plant ein gehobenes Wohnviertel.

Auch so gibt es in diesem Spiel fast nur Gewinner. Radeberger hat allerdings zu hoch gepokert. Das Unternehmen wollte, dass sich Actris und die Stadt an den für den besseren Lärmschutz auf dem Firmengelände nötigen Kosten beteiligen. Es ist richtig, dass sich die Stadt nicht darauf eingelassen hat. Jeder sollte seine Hausaufgaben selbst machen. Schon in den Verhandlungen wegen des drohenden Umzugs nach Bad Vilbel trat die Radeberger-Gruppe mit überzogenen Forderungen auf. Darauf, dass nun die Vernunft gesiegt hat, ein Binding.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Geben und nehmen

Von Matthias Alexander

Wer immer nach der Landtagswahl im September Finanzminister wird, steht mit Blick auf den kommunalen Finanzausgleich vor einer undankbaren Aufgabe. Schon bis Ende 2015 muss ein neues Modell gefunden sein. Mehr