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Kommentar Willkommen, ihr Russen

12.03.2010 ·  Ausgerechnet Deutschland. Ist das Land, welches den millionenfachen Mord an Juden zu verantworten hat, das richtige Land für jüdische Einwanderer? So mögen Zionisten und die israelische Regierung fragen. Die Frankfurter Gemeinde ist dessen ungeachtet weit von ihrer Vorkriegsstärke entfernt.

Von Hans Riebsamen
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Ausgerechnet Deutschland. Ist das Land, welches den millionenfachen Mord an Juden zu verantworten hat, das richtige Land für jüdische Einwanderer? So mögen Zionisten und die israelische Regierung fragen. Wir aber in Deutschland können einfach nur froh sein, dass nach dem Holocaust Juden hier zu leben sich trauen und dass eine Viertelmillion russische Juden sich nach dem Ende des Kommunismus Deutschland als neue Heimat gewählt hat.

Denn das ist ein Vertrauensbeweis für dieses Land - und zwar von einer Menschengruppe, welche, von einer langen Geschichte der Verfolgung gelehrt, aufziehendes Ungemach oft seismographisch wahrnimmt. Solange Juden sich hier sicher fühlen, dürfen wir unseren Rechtsstaat und unser auf Demokratie und Humanismus gründendes politisches System für weitgehend intakt halten.

Frankfurter Gemeinde weit von Vorkriegsstärke entfernt

Deutschland sollte sich aber noch aus anderen Gründen über die Ankunft der „Russen“ freuen. Ohne diese Zuwanderer wären die jüdischen Gemeinden in Frankfurt und anderswo in absehbarer Zeit mangels Mitgliedern eingegangen. Mit den Zuzüglern aus Moskau oder Kiew hat die kleine jüdische Gemeinschaft neue Mitglieder und neue Kraft gewonnen. Die Frankfurter Gemeinde etwa wuchs von 4000 auf 7000 Mitglieder. Bis sie ihre Vorkriegsstärke von 30.000 Mitgliedern und ihre alte Bedeutung für die Frankfurter Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft wieder erreicht, wird es freilich noch sehr lange dauern. Wie überhaupt die Juden in Deutschland trotz der Verstärkung aus dem Osten eine winzige Minderheit geblieben sind. Die Gemeinden zählen gerade einmal etwas mehr als 100.000 Mitglieder, insgesamt leben in Deutschland vielleicht 250.000 Menschen, die man im weitesten Sinne als Juden bezeichnen könnte.

Die Männer und Frauen aus der einstigen Sowjetunion, die seit 1989 als Einwanderer hierhergekommen sind, stellen eine besondere Gruppe von Migranten dar. Gewiss haben sie, die oft Akademiker sind, sich nicht alle angemessen ins Arbeitsleben integrieren können. Aber 80 Prozent ihrer Kinder machen Abitur. Solche tüchtigen jungen Leute braucht ein Land, das demographisch in eine Schieflage geraten ist.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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