07.01.2008 · Nach dem feigen Angriff jugendlicher Schläger auf einen U-Bahn-Fahrer in Frankfurt hat sich das politische Stimmungsbild zugunsten Kochs verschoben - zumindest im Rhein-Main-Gebiet.
Von Matthias AlexanderDie Umfrage des Emnid-Instituts der vergangenen Woche sähe man jetzt gerne wiederholt. 66 Prozent der Befragten hatten es als falsch bezeichnet, dass der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Thema Jugendkriminalität zum Schwerpunkt seines Wahlkampfs macht. Offenbar schien vielen das Thema ein wenig weit hergeholt, aus München nämlich.
Nach dem Wochenende, nach dem feigen Angriff jugendlicher Schläger auf einen U-Bahn-Fahrer in Frankfurt, hat sich das Stimmungsbild zugunsten Kochs verschoben – zumindest im Rhein-Main-Gebiet. Und dort wird die Landtagswahl entschieden werden. Mit der räumlichen Nähe der Ereignisse steigt das Interesse enorm; der Mensch ist nun einmal so. Jetzt sind Fahrgäste in der S-Bahn zu beobachten, die einander die einschlägigen Zeitungsartikel vorlesen. Das Thema, dem Koch einen künstlichen Drall geben wollte, hat plötzlich eine Eigendynamik bekommen, auch wenn es an dramatischen Bildern wie im Münchner Fall fehlt.
Abschreckung durch schnellere Verurteilung
So groß ist der Aha-Effekt, dass die CDU-Wahlkämpfer auf Triumphgeheul verzichten können. Für die SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti, die ohnehin schon in die Defensive geraten war, hätte es gar nicht schlechter kommen können. Selbst das Argument, die Landesregierung behindere mit ihrer Sparpolitik die Arbeit der Polizei, wirkt angesichts des aktuellen Falles nicht überzeugend. Die Polizei hat dem U-Bahn-Fahrer in rekordverdächtiger Zeit helfen und alle Tatverdächtigen festnehmen können.
Lässt man die wahltaktischen Überlegungen einmal beiseite, sorgt für Erleichterung, dass das Opfer das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen konnte. Über Änderungen im Umgang mit jugendlichen Straftätern mit „Migrationshintergrund“ wird nach der Wahl in Ruhe zu sprechen sein. Es zeichnet sich ein Konsens ab, der auf Abschreckung durch schnellere Verurteilung setzt, aber auch die gesellschaftlichen Ursachen des Phänomens in den Blick nimmt. Die Täter einfach länger ins Gefängnis zu schicken, das sich oft genug als höhere Schule der Gewalt erweist, ist zu kurz gedacht.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Jüngste Beiträge