15.07.2010 · Mit dem neuen Islamstudiengang gewinnt die Frankfurter Universität im Wettbewerb mit anderen Hochschulen in Deutschland weiter an Kontur. Auch inner-islamisch kann das Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam viel bewirken.
Von Stefan ToepferEigenlob stinkt nicht immer. Wenn die Frankfurter Universität sagt, sie setze mit ihrem neuen Studiengang „Islamische Studien“ Maßstäbe, dann darf man das durchaus so gelten lassen. Dass der Senat der Hochschule der Einrichtung des Fachs zugestimmt hat, ist ein wichtiger und richtiger Schritt.
Zum einen gewinnt die Universität im Wettbewerb mit anderen Hochschulen in Deutschland weiter an Kontur. Zum anderen wird die Möglichkeit gewahrt und verstärkt, sich mit dem Islam theologisch-wissenschaftlich zu befassen – was den Umgang mit dem Koran einschließt.
Beitrag zur Verständigung
Dass die Entscheidung im Senat zugunsten des neuen Studiengangs mit acht Ja- und zwei Neinstimmen sowie fünf Enthaltungen knapp ausfiel, ist verwunderlich. Zumal auch die Bedeutung von Theologie an der Universität und die Wissenschaftlichkeit von Theologie überhaupt in Frage gestellt worden sind. Darüber wird noch zu reden sein.
Muslimische wie nichtmuslimische Theologen können, wenn sie nach hiesigen Maßstäben fundiert ausgebildet wurden, in einer multireligiösen Gesellschaft wie der in Deutschland einen Beitrag zur Verständigung leisten. Aber auch inner-islamisch kann das Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam mit Professor Ömer Özsoy an der Spitze viel bewirken, gerade in der Koran-Exegese. Das nicht mit der Einrichtung des neuen Studiengangs zu stärken wäre ein Fehler gewesen.
Dass die Universität mit der Etablierung des Islam im Lehrangebot einen langen Atem bewiesen hat, war gut. Es gab Krisen: Anfangs wurde die von der türkischen Religionsbehörde gestiftete – eher religionswissenschaftlich denn theologisch geprägte – Professur teils sehr kritisch beurteilt, dann musste sie nach Bedenken von Kirchenleuten den Fachbereich Evangelische Theologie verlassen, in dem sie anfangs beheimatet war.
Uni sieht Land in der Pflicht
Zu wünschen ist der Universität nun, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung den neuen Studiengang mit einer weiteren Professur unterstützt. Hierum kann sich die Hochschule mit einem gewissen Selbstbewusstsein bewerben.
Der neue Studiengang soll nur in einzelnen Modulen, aber nicht in Gänze der Ausbildung von Lehrern für einen in Hessen möglichen islamischen Religionsunterricht dienen. In der religionspädagogischen Bildung künftiger Lehrer sieht die Universität das Land in der Pflicht. Sollte Hessen dieses Schulfach einführen, wird es weitere Diskussionen über die Lehre des Islam an der Universität geben.