Home
http://www.faz.net/-gzg-6x5l4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Werte wahren

25.01.2012 ·  Es ist erschreckend: Im neuen Buch des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst ist passagenweise sein Vorgänger Franz Kamphaus zitiert, ohne dass dies kenntlich gemacht wird.

Von Stefan Toepfer
Artikel Lesermeinungen (0)

Es ist erschreckend: Im neuen Buch des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst ist passagenweise sein Vorgänger Franz Kamphaus zitiert, ohne dass dies kenntlich gemacht wird. Auf den eineinhalb Seiten geht es um den Umgang mit Behinderten. Nach Darstellung des Bistums könnte der Vorfall damit zu tun haben, dass der gleiche Fachmann beiden Bischöfen half, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Das ist eine Erklärung, viel besser macht sie die Sache aber nicht. Denn es sind die offiziell genannten Autoren, die letztlich für ihre Texte verantwortlich sind.

Die Passagen fußen auf einem Vortrag, den Tebartz-van Elst im Dezember 2008 gehalten hat, wenige Tage, nachdem in einer Festschrift ein Beitrag Kamphaus’ mit gleichlautenden Abschnitten publiziert worden war. Der Vortrag Tebartz-van Elsts ist in redigierter Fassung Teil seines Buches.

Vorsätzlich habe der Bischof nicht gehandelt, sagt seine Sprecherin

„Werte wahren - Gesellschaft gestalten“ ist dessen Titel. Aber wie steht es um das Recht am eigenen Wort? Der Appell Tebartz-van Elsts, Werte zu wahren, fällt auf ihn zurück. Wenn schon Politiker eine Vorbildfunktion haben (es sei erinnert an die Guttenberg-Affäre), gilt das umso mehr für Kirchenleute, zumal solche in leitender Position. Ihr Anspruch, die Einhaltung von Werten anzumahnen, sei ihnen unbenommen. Die Stimme der Kirchen in gesellschaftspolitischen Fragen ist wichtig. Auch wenn niemand perfekt ist: Dieser Anspruch kirchlicher Würdenträger muss so gut es irgend geht von ihrem Verhalten gedeckt sein.

Dagegen ist das, was in Tebartz-van Elsts Buch offenbar wird, ein Verstoß. Auch wenn das ganze nur auf einem massiven Missgeschick beruhen sollte - auf den ersten Blick liegt der Verdacht des Plagiats nahe.

Vorsätzlich habe der Bischof nicht gehandelt, sagt seine Sprecherin. Das mag stimmen, doch es bleibt dabei, dass der Vorgang mindestens hochnotpeinlich ist, denn Sorgfalt im Umgang mit Texten sieht anders aus. Ihr Hinweis, das Buch Tebartz-van Elsts sei keine wissenschaftlich innovative Publikation, sondern eine Zusammenschau von Vorträgen, ist kein Argument. Für das Zitieren gelten in beiden Fällen die gleichen Regeln.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr