26.03.2008 · Die Vorschläge von SPD und Grünen zur Abschaffung von Studiengebühren wirken elegant - aber sind sie es auch? Nicht nur Universitätspräsidenten hegen die Befürchtung, dass die Bau- und Forschungsinitiativen „Heureka“ und „Loewe“ einer Einsparung zum Opfer fallen könnten.
Von Sascha ZoskeDarauf hätte Roland Koch auch selbst kommen können: Einfach weniger Geld für die Verwaltung ausgeben, außerdem aktuelle Trends der Weltwirtschaft clever ausnutzen – und schon können die 60 Millionen Euro je Semester, die Hessens Studenten derzeit als Beitrag zu ihrer Ausbildung zahlen, locker aus dem Landesetat aufgebracht werden.
All die Protestaufrufe, Kundgebungen und Straßenblockaden wären dem Land erspart geblieben, hätte die CDU-geführte Landesregierung den Haushalt nur mit dem gleichen Röntgenblick analysiert, mit dem ihn nun SPD und Grüne ins Visier genommen haben. Die Vorschläge, die beide Parteien unterbreitet haben, um den Hochschulen die bei einer Abschaffung der Studiengebühren entstehenden Einnahmeverluste zu ersetzen, muten wirklich elegant an. Auf den ersten Blick jedenfalls.
Etwas mehr Scharfsinn
Bei näherem Hinsehen stellen sich dann doch einige Bedenken ein. Die Rechnung, dass Hessen dank der Finanzkrise demnächst weniger Zinsen zahlen muss und deshalb zusätzliche Ausgaben verkraften kann, mag aufgehen. Wirtschaftliche Entwicklungen haben aber die unangenehme Eigenheit, schwer berechenbar zu sein, vor allem auf längere Sicht. Früher oder später wird die linke Mehrheit im Landtag also noch andere originelle Ideen präsentieren müssen, die das dringend benötigte Geld für die Lehre einbringen.
Nicht nur Universitätspräsidenten hegen die Befürchtung, dass die Bau- und Forschungsinitiativen „Heureka“ und „Loewe“ einem solchen Kreativitätsschub in Teilen zum Opfer fallen könnten. Die Äußerungen des SPD-Wissenschaftspolitikers Grumbach zur Zukunft beider Programme (siehe SPD: „Im Wintersemester sind die Studiengebühren weg“) werden in dieser Hinsicht kaum beruhigend wirken.
Verhängnisvoll wäre es im Übrigen auch, wenn sich die Findigkeit von SPD und Grünen darin erschöpfte, den Hochschulen lediglich ihre jetzigen Budgets zu sichern. Die Universitätspräsidenten haben vor kurzem noch einmal deutlich gemacht, dass die Ausgaben des Landes für seine akademischen Bildungsstätten weiter wachsen müssen, sollen Forschung und Lehre international konkurrenzfähig sein. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Politiker beider Fraktionen noch etwas mehr Scharfsinn entwickeln müssen, als sie demonstriert haben.
Abschaffung von Studienbeiträgen
Hartmut Gerlach (Blith)
- 26.03.2008, 23:50 Uhr