Wie ein Bushaltehäuschen aussieht und welche Form und Farbe die Papierkörbe auf der Freßgass’ haben, können nur wenige aus dem Stegreif beschreiben. Obwohl man im Alltag ständig daran vorübergeht, fallen sie merkwürdigerweise kaum auf.
Stadtmöbel nennen sich diese Einrichtungsgegenstände, die den öffentlichen Raum einer Stadt prägen. In Frankfurt fehlt bei diesen Möbelstücken die ordnende Hand. Mitunter wirkt es, als hätte jeder Ortsbeirat im Möbelhaus der Papierkörbe und Fahrradständer nach Herzenslust selbst eingekauft. Im Stadtgebiet stehen zum Beispiel rund 400 unterschiedliche Typen von Straßenlaternen. Dieses Kuddelmuddel zu beenden, hat sich die Stadt schon vor einigen Jahren vorgenommen. Die geplante Ausschreibung der Werbeflächen könnte der passende Anlass sein, damit aus diesem Wunsch auch Wirklichkeit wird.
Eine moralische Dimension
Gutes Design sollte nicht nur nützlich sein. Eine gute Form kann den Menschen auch erfreuen. Manche würden sogar so weit gehen, zu sagen, dass gutes Design die Aufgabe hat, den Menschen zum Besseren zu erziehen. Die Gestaltung unserer Alltagswelt hat unzweifelhaft auch eine moralische Dimension. Gute Gestaltung erfüllt nicht nur einen funktionalen Zweck, sie sollte auch das Lebensumfeld verbessern. Es wäre daher richtig, wenn im Zuge der Ausschreibung der Stadtmöblierung nicht nur auf ökonomische Kriterien Wert gelegt würde, sondern auch andere, qualitative Aspekte eine Rolle spielten.
Die Stadt will die Formensprache im öffentlichen Raum reduzieren und die Typenvielfalt einschränken. Es soll nicht alles „vereinheitlicht“, sondern nur etwas dezenter gestaltet werden. Weniger ist mehr, lässt sich diese Haltung beschreiben. Die Vorstellung ist schön, sich auf eine typische „Frankfurter Bank“ zu setzen. Oder nach einer langen Reise aus dem Hauptbahnhof an eine typische „Frankfurter Bushaltestelle“ zu treten und zu denken: Hier bin ich zu Hause.
Wenn dieser Wunsch durch eine neue Ausschreibung in Erfüllung ginge, kann man sich mehr Wettbewerb eigentlich nur wünschen.
Nicht nur schön, auch schön beständig
S. Neumann (frankfurtrheinmain)
- 04.09.2012, 21:34 Uhr