04.12.2007 · Der Schaumainkai wäre als Standort für einen Neubau des Museums der Weltkulturen ideal. Aber auch ein Neubau auf dem Areal des „Sudfass“ könnte städtebauliche Akzente setzen.
Von Michael HierholzerGewiss wäre der Schaumainkai der ideale Standort für einen Neubau des Museums der Weltkulturen. Dies entspräche dem ursprünglichen, mittlerweile seit fast zwei Jahrzehnten auf Eis liegenden Konzept, mit einem der Ethnologie gewidmeten Haus architektonisch wie gedanklich einen Schlussstein auf das Gesamtkunstwerk Museumsufer zu setzen. Die Grünen in der Frankfurter Stadtregierung aber scheinen eine weitere Bebauung des Sachsenhäuser Museumsparks kategorisch abzulehnen – der Bäume, die fallen müssten, und der Rasenfläche wegen, die dezimiert würde.
Wenn sich nun die Möglichkeit ergäbe, an der Flößerbrücke – also nicht am Museumsufer im engeren Sinn, aber doch direkt am Main – in ziemlicher Nähe zu anderen Ausstellungshäusern und sogar in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer bedeutenden Kulturinstitution zu bauen, wäre dies eine erstklassige Variante. Es spricht vieles für einen solchen erweiterten Museumsuferbegriff: Mit dem Literaturhaus schräg gegenüber dem „Sudfass“ ist die Gegend, in der künftig die Europäische Zentralbank ihren Sitz haben wird, ohnehin schon aufgewertet.
Solitär mit städtebaulicher Wirkung
Und ein architektonisches Glanzstück statt der Rotlicht-Installation, die unübersehbar vom Bordellbetrieb kündet, würde am nördlichen Mainufer wie der Endpunkt der Kulturmeile wirken, die auf dieser Seite des Flusses längst besteht – mit Jüdischem Museum, Historischem Museum und vergleichbaren Einrichtungen. Anders als auf dem vom Kulturdezernat als Gelände für das Weltkulturen-Haus bevorzugten Degussa-Areal könnte an der Nahtstelle zwischen Innenstadt und Ostend ein architektonischer Solitär mit städtebaulicher Wirkung entstehen.
„Sudfass“-Besitzer Dieter Engel hat sich in der Vergangenheit immer wieder als Literaturmäzen hervorgetan. Vielleicht fließt, wenn er das Freudenhaus denn aufgeben will, in seine Überlegungen auch ein, dass er bei einem Verkauf an die Stadt zu einem moderaten Preis als Förderer der Kultur in die Frankfurter Geschichte eingehen könnte. Sein Namen ließe sich auf die eine oder andere Weise mit dem Museum verbinden. Womöglich sogar mit einem Trakt, in dem die Prostitution in unterschiedlichen Weltkulturen Thema wäre.