14.02.2012 · Der Plan B, den Börsenchef Francioni nach der gescheiterten Fusion präsentiert, ist im Wesentlichen ein „Weiter so wie bisher“. Für die Börse ist das keine schlechte Strategie.
Von Tim KanningReto Francioni ist kein Mann der Emotionen. Er lacht selten, hebt kaum einmal öffentlich die Stimme - und so zeigt er selbst dann keine Enttäuschung oder Verzagtheit, wenn das größte Vorhaben seiner Karriere, die Schaffung einer Weltbörse, gescheitert ist. Auf der Bilanzpressekonferenz ist alles wie immer: Francioni liest in behäbigem Schweizerisch Wort für Wort seine vorbereitete Rede ab. Und auch der Plan B, den er präsentiert, ist im Wesentlichen ein „Weiter so wie bisher“.
Für die Börse ist das keine schlechte Strategie. Denn der Marktbetreiber aus Frankfurt ist auch ohne Verstärkung aus New York gut aufgestellt - wahrscheinlich sogar besser, als mit der Herkulesaufgabe einer transatlantischen Mega-Integration am Bein. Das ist vor allem Francionis Verdienst. Auch wenn das ewige Sparen des Schweizers sowohl die Belegschaft als auch die Frankfurter Kämmerei in den vergangenen Jahren gebeutelt hat - der Konzern hat sich unter seiner Ägide besser entwickelt als die etablierte Konkurrenz in Paris, London und auch New York. Die Frankfurter sind der einzige europäische Börsenbetreiber, der noch in der Weltliga mitspielt. Gemessen am Umsatz steht sie knapp hinter Spitzenreiter Chicago. Der eigene Börsenwert ist höher als der von New York und London Stock Exchange zusammen.
Intern muss Francioni nach dem Scheitern der Fusion allerdings einige Scherben aufkehren. Vor allem das Verhältnis zum Betriebsrat ist zerrüttet, nachdem sich die Arbeitnehmervertreter teils heftig gegen die Pläne des Vorstands gestemmt haben. Aber auch jene Mitarbeiter, die ein Jahr lang auf die Fusion mit New York hingearbeitet haben und die in dem Zusammenschluss wie Francioni und seine Vorstandskollegen die große Chance auch für die eigene Karriere gesehen haben, gilt es nun, auf den Boden des organischen Wachstums zurückzuholen.
Es ist gut, dass Francioni bis auf weiteres keine großen Fusionen mehr angehen will. Die gescheiterten Versuche mit London, Paris und nun New York haben in den vergangenen Jahren reichlich Kraft gekostet. Für Frankfurt hat es sich bislang immer als Glück erwiesen, dass die Börse eigenständig geblieben ist. Auch das zeigt der Vergleich mit denen, die Konkurrenten geblieben sind.