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Kommentar : Weihnachten ist Weihnachten

Neulich flatterte uns, wie 1,9 Millionen anderen Protestanten auch, ein Brief des Kirchenpräsidenten ins Haus. „Weihnachten ist Geburtstag“ lautete die Botschaft. Nur ein Teil einer größeren Kampagne der EKHN.

          Neulich flatterte uns, wie 1,9 Millionen anderen Protestanten auch, ein Brief des Kirchenpräsidenten ins Haus. „Weihnachten ist Geburtstag“ lautete die Botschaft. Da haben wir gedacht, dass unsere geschätzte Evangelische Kirche in Hessen und Nassau aber eine ziemlich schlechte Meinung von ihren Mitgliedern haben muss, wenn sie jetzt schon Nachhilfe in Grundkenntnissen des christlichen Glaubens erteilt. Wir haben in unserem erweiterten Bekanntenkreis einige Kandidaten, die vermutlich ins Stottern gerieten, wenn sie die Bedeutung von Pfingsten erläutern sollten, doch die Ereignisse an Heiligabend sind allen noch recht geläufig.

          Die EKHN hat nicht nur einen Brief verschickt, sondern eine ganze Kampagne zu Weihnachten ersonnen. Der zentrale Slogan lautet: „Geburtstag unbekannt, gefeiert wird trotzdem.“ Man kann ihn sogar als rosarote elektronische Glückwunschkarte im Internet verschicken. Die Gläubigen werden darüber aufgeklärt, dass von der Leben-Jesu-Forschung keineswegs geklärt ist, wann Christus geboren wurde. In gewisser Weise hat man es hier mit Protestantismus in Reinform zu tun: Die Sicherheit, die aus Traditionen kommt, wird zertrümmert, um dann in einer dialektischen Volte doch bejaht zu werden.

          Wo kommen Ochs und Esel her?

          Sicher, auch Papst Benedikt XVI. erläutert in seinem jüngsten Jesus-Buch, wie Ochs und Esel in den Krippen-Darstellungen auftauchen konnten, obwohl sie im Evangelium nicht vorkommen. Doch irgendwie ist die katholische Kirche klüger, wenn es darum geht, nicht alles ohne Not mit dem Gift des Zweifels zu tränken.

          Vielleicht ist es denn auch besser, heute Abend einen Kindergottesdienst zu besuchen. Wir werden ein Krippenspiel sehen, einige Kinder werden sich vor Aufregung verhaspeln, andere werden ganz in ihrer Rolle aufgehen. Die Gemeinde wird singen, und es wird schön klingen, denn die Textsicherheit ist an diesem Tag größer als an jedem anderen Sonntag des Kirchenjahrs. Und die Pfarrerin wird die Weihnachtsgeschichte behutsam erläutern.

          Mehr braucht es auch nicht, sie ist immerhin eine der schönsten Erzählung der Weltliteratur, wie groß der fiktionale Anteil daran auch immer sein mag. Weihnachten ist eben Weihnachten. Grüße zum Fest, die per Mail kamen, haben wir übrigens nicht angeschaut, sondern gleich gelöscht.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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