Home
http://www.faz.net/-gzg-73tzs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Wann, wenn nicht jetzt?

 ·  Das Wohnen im Hochhaus, das viele noch mit den anonymen Satellitenstädten der siebziger Jahre und prekären sozialen Verhältnissen assoziieren, erlebt eine Renaissance. Dabei soll auch das Image poliert werden.

Artikel Lesermeinungen (1)

Neulich geriet eine Projektentwicklerin geradezu ins Schwärmen: Zurzeit könne man in Frankfurt auf dem Wohnungsmarkt „alles“ verkaufen, sagte sie bei einer Podiumsdiskussion. Man prüfe daher auch den Bau von Wohnhochhäusern: „Der Markt ist reif dafür.“

Sie steht mit dieser Idee nicht allein da. Mit dem Wettbewerb für das Grundstück an der Stiftstraße sind in Frankfurt inzwischen fünf Wohnhochhäuser in Planung, eines ist schon im Bau. Höchstwahrscheinlich kommen in nicht allzu weiter Ferne noch weitere Projekte hinzu. Das Wohnen im Hochhaus, das viele noch mit den anonymen Satellitenstädten der siebziger Jahre und prekären sozialen Verhältnissen assoziieren, erlebt eine Renaissance.

„Reiche kann man stapeln“

Dabei soll auch das Image poliert werden: Wohnen in der Vertikalen ist heute schick und teuer, weil die Bau- und Grundstückskosten genauso hoch sind wie die Ansprüche. Das kann sich nicht jeder leisten: „Reiche kann man stapeln, Arme muss man flachlegen“, lautet das passende Bonmot.

Dass auf diese Weise der dringend benötigte bezahlbare Wohnraum entsteht, ist eine Illusion. Die Baustandards sind bei Hochhäusern nur bedingt beeinflussbar, Brandschutzanforderungen und die aufwendige Erschließung treiben die Preise nach oben. Hinzu kommen die Grundstückskosten: Gilt ein Areal als potentieller Hochhausstandort, sind der Spekulation kaum Grenzen gesetzt.

Stadt erhofft sich Sickereffekte

Daher entstehen auf diesem Weg also einige hundert sehr teure Wohnungen. Auch die werden derzeit noch stark nachgefragt - das Luxussegment wächst, gemessen an der Anzahl der Verkäufe, am stärksten. Doch die Angst vor einer Blase lässt manchen Bauherrn zögern. Die Stadtplanung setzt derweil auf die Sickereffekte: Wird an einer Stelle teurer Wohnraum gebaut, werden anderswo Flächen frei.

Dennoch: So günstige Rahmenbedingungen kommen so schnell nicht wieder. Mit Wohnungen lassen sich heute fast ebenso hohe Mieten erzielen wie mit Büros. Das Stadtbild, die Frankfurter Skyline, wird von den Türmen profitieren. Bei zwei Wohntürmen im Europaviertel ist allerdings zu beklagen, dass nicht der beste Entwurf verwirklicht wird. Was besonders schade ist - Hochhäuser lassen sich nicht verstecken.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitersagen

Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Zwischen Zuckeln und Rasen

Von Mechthild Harting

Der FDP-Verkehrsminister Florian Rentsch will kein Tempo-30-Limit nachts auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen. Das ist nun offensichtlich und nicht per se verwerflich. Seine Begründung hingegen klingt kurios. Mehr 2 3