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Kommentar Wachsendes Unbehagen

 ·  Und wo finden Sie sich wieder auf einer Skala von Armut, Auskommen, Wohlstand oder Reichtum? So ähnlich, also auch sehr relativ, verhält es sich mit dem Begriff „Wohnungsnot“.

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Und wo finden Sie sich wieder auf einer Skala von Armut, Auskommen, Wohlstand oder Reichtum? Mag es sein, dass Ihr subjektives Gefühl materiellen Wohlergehens wechselt? Fühlen Sie sich reicher nach einer Fahrt nach Bukarest oder einem Urlaub in der Dominikanischen Republik – jedenfalls während des Transfers vom Flughafen in das abgeschottete Luxushotel? Fühlen Sie sich vielleicht richtig reich, wenn Sie sich vorstellen, vom Hartz-IV-Regelsatz leben zu müssen?

So ähnlich, also auch sehr relativ, verhält es sich mit dem Begriff „Wohnungsnot“. Von Wohnungsnot bei uns in einem der reichsten Länder der Erde zu sprechen hat etwas Zynisches, auch wenn man in diesen Tagen nach Japan schaut, wo fast eine Million Menschen ihr Obdach verloren hat. Oder wenn man an osteuropäische Staaten denkt, in denen junge Menschen keine Familie gründen können, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden. Nein, man sollte zwei Mal nachdenken, ehe man für das Rhein-Main-Gebiet mit dem Begriff der „Wohnungsnot“ operiert.

Ein Ende ist nicht in Sicht

Aber dennoch stellt sich bei der Versorgung mit Wohnraum in Frankfurt wachsendes Unbehagen ein, zumal die Statistik nicht immer mit der Lebenswirklichkeit übereinstimmt. Frank Junker hat wahrscheinlich recht, wenn er sagt, auch wer nicht zu den Besserverdienenden gehöre, könne in Frankfurt eine adäquate Wohnung finden. Aber mit zwei definitorischen Ungewissheiten: Was bedeutet „adäquat“ konkret? Und wer ist kein Besserverdiener?

Weniger relativ sind die genannten Durchschnittsmieten. Für eine Wohnung von 100 Quadratmetern (ist das eine große, eine kleine oder eine normale Wohnfläche) zahlt man in Frankfurt in „normalen“ Lagen 1100 Euro. Kalt. Will man es hübscher, sind für 100 Quadratmeter schon 1500 Euro fällig. Und das ist auch für den besser verdienenden Mittelstand eine Menge Geld.

Um eben diesen Mittelstand muss man sich in einer Stadt wie Frankfurt allmählich Sorgen machen. Noch in der Generation ihrer Eltern waren junge Krankenhausärzte oder angestellte Architekten meistens gemachte Leute. Heute befinden sie sich schon eher am Rande des gehobenen Lebensstandards. Dazu tragen die Mieten bei. Und ein Ende ist nicht in Sicht, intelligente Förderprogramme sind es schon gar nicht.

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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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