04.05.2009 · Eine Grünfläche von gerade einmal 4500 Quadratmetern im Frankfurter Stadtteil Ginnheim soll bebaut werden. Anwohner, die um ihren Blick ins Grüne bangen, machen mobil. Sie sammeln Unterschriften, sie ziehen protestierend in den Planungsausschuss, sie bringen den Ortsbeirat auf ihre Seite.
Von Matthias AlexanderEine Grünfläche von gerade einmal 4500 Quadratmetern im Frankfurter Stadtteil Ginnheim soll bebaut werden. Anwohner, die um ihren Blick ins Grüne bangen, machen mobil. Sie sammeln Unterschriften, sie ziehen protestierend in den Planungsausschuss, sie bringen den Ortsbeirat auf ihre Seite.
Der Streit um den Bau von sechs Doppelhäusern wäre nicht weiter der Rede wert, würfe er nicht ein grelles Licht auf Versäumnisse der Planungspolitik. In der Sache steht die Argumentation der Nachbarn nämlich auf tönernen Füßen. Die betreffende Grünfläche ist ohne großen ökologischen Wert. Zu behaupten, das Klima im Stadtteil werde durch die geplante niedrige und lockere Bebauung beeinträchtigt, ist abwegig. Anzuführen, man sei nur hierhergezogen, weil man sich auf den dauerhaften Erhalt der Grünfläche verlassen habe, ist blauäugig. Um ein Zitat von Tucholsky zu variieren: Vorne Zeil, hinten Taunus - das gibt es nicht. Eine Stadt ist ein Organismus, der sich entwickeln können muss, das gilt gerade und erfreulicherweise für Frankfurt.
Diese Position haben auch Planungsdezernent Edwin Schwarz und sein CDU-Parteifreund Jochem Heumann im Ausschuss eloquent vertreten. Sie haben argumentiert, dass Frankfurt darauf angewiesen sei, neuen Wohnraum zu schaffen, gerade auch für gutsituierte Familien; dass Verdichtung von städtischen Quartieren das Gebot der Stunde sei. Da Ginnheim zu den Hochburgen der Frankfurter CDU zählt, gebührt den Politikern für ihre Standfestigkeit besonderer Respekt.
Umso bitterer muss es für die Union sein, dass ihr die Grünen in den Rücken gefallen sind. Die Führung des Koalitionspartners hatte dem Projekt intern schon zugestimmt. Sie muss jedoch zurückrudern, nachdem in der Fraktion massiver Widerspruch laut geworden war.
Dass es so weit kommen konnte, ist auch einem Fehler im Verfahren zuzuschreiben: Die schwarz-grüne Koalition glaubte, auf eine Überarbeitung des Bebauungsplans verzichten zu können. Stattdessen sollte eine einfache Befreiung vom alten Plan ausreichen, der eine Gartennutzung vorschreibt. Der Verdacht der Mauschelei ließ sich nun leicht äußern, zumal der ehemalige Planungsdezernent Martin Wentz seine Finger im Spiel hat, dessen früherer Referent inzwischen Leiter der Bauaufsicht ist.
Planungsdezernent Schwarz ist gut beraten, zügig ein Bebauungsplanverfahren in Gang zu setzen. Er sollte es auch gleich für alle vergleichbaren Areale tun, damit Frankfurt organisch wachsen kann, und zwar nicht nur in den großen Neubaugebieten.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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