Der Künstler ist nicht irgendwer. Seit 2005 leitet er die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, wo er zuvor schon eine Professur hatte. Ottmar Hörl ist ein namhafter Bildhauer, der, von der Pop-Art inspiriert, Alltagsgegenstände in Kunstobjekte umdeutet. Der ehemalige Städelschüler ist mit plakativen Skulpturen und in Massenauflage produzierten Multiples bekannt geworden, etwa der schon mehr als 42000 Mal verkauften Seife mit dem eingeprägten Wort „Unschuld“. In Frankfurt steht sein Werk „Mr. Quick“ vor dem Gebäude der Deutschen Presseagentur am Baseler Platz: ein überdimensionales grünes Strichmännchen, das rennt und damit die Schnelligkeit des Informationsflusses verdeutlicht.
Eine ebenso klare Symbolik haben seine Euro-Skulpturen. Eine von beiden, die am Flughafen stand, wurde gerade abgebaut, Zukunft ungewiss. Auch was mit dem Exemplar geschieht, das derzeit noch den Willy-Brandt-Platz ziert, weiß niemand. Das leuchtende Euro-Zeichen mit den Sternen ist ein Sinnbild für die Gemeinschaftswährung und darüber hinaus für Frankfurt als Zentrum der Finanzwirtschaft sowie Sitz der Europäischen Zentralbank.
Es wurde zu einem Markenlogo
Gewiss führt Ottmar Hörl mit seiner so monumentalen wie strahlenden Skulptur auch die Macht des Geldes vor Augen. Ganz naiv und ungeschminkt. Gar nicht dezent. Das missfällt manchen, und deshalb halten sie die Euro-Skulptur nicht für Kunst. Oder zumindest nicht für gute. Zu platt, zu reklamehaft, zu auftrumpfend, zu einseitig auf den schnöden Mammon fixiert, gerade auch in Zeiten der Euro-Krise zu anbiedernd und triumphal, ästhetisch ohnehin ein Graus: Gegen das Hörl-Werk lässt sich vieles vorbringen. Und sowohl die Stadt als auch die Europäische Zentralbank haben es in der Vergangenheit an Enthusiasmus für das Geschenk des Frankfurter Kultur Komitees fehlen lassen.
Aber es geht längst nicht mehr um die Frage einer künstlerischen Bewertung der Euro-Skulptur oder um den persönlichen Geschmack von Politikern und EZB-Verantwortlichen. Die Euro-Skulptur ist zu einem Wahrzeichen Frankfurts geworden. Kein aktueller Fernsehbericht über den Finanzplatz kommt ohne Kamerabilder von ihr aus. So wäre es unter dem Gesichtspunkt des Stadtmarketing fatal, den Kunst-Euro aus dem Stadtbild zu entfernen. Sein gleichsam natürlicher Ort wäre von 2014 an vor dem EZB-Neubau im Ostend. Oder er bleibt mit städtischer Hilfe dort, wo er ist.
Ohne dass jemand dies beabsichtigt hat, wurde Hörls Euro zu einem Markenlogo, das auch im Ausland mittlerweile untrennbar mit Frankfurt verbunden wird. Das ist von unschätzbarem Wert. Auch wenn es für das Frankfurter Selbstwertgefühl womöglich angenehmer wäre, wie Kopenhagen eine kleine Meerjungfrau als immer wieder vorgezeigtes Wahrzeichen zu besitzen.