Gemessen an dem Ergebnis, das von Kennern der Frankfurter Kommunalpolitik vorausgesagt worden war, hat der CDU-Kandidat Boris Rhein passabel abgeschnitten. Er hat im ersten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl fast 40 Prozent der Stimmen erhalten und landete damit deutlich über dem Kommunalwahlergebnis seiner Partei im März vorigen Jahres. Und doch war sein Lächeln angespannt, als er vor die Kameras und Mikrofone trat.
Das lag am Ergebnis seines ärgsten Konkurrenten Peter Feldmann. Der SPD-Kandidat hat mit 33 Prozent einen Stimmenanteil erreicht, den ihm niemand zugetraut hatte, allenfalls er selbst. Entsprechend befreit fiel sein Lachen aus. Der Abstand zu Rhein ist derartig knapp, dass er in der Stichwahl einzuholen ist.
Die lärmgeplagten Bürger
Feldmanns Zuversicht wird noch vom Blick auf die Parteien gestärkt, deren Kandidaten nun ausgeschieden sind. Die Klientel der Linkspartei und der Piraten dürfte teilweise von ihm zu mobilisieren sein; für Rhein, der die Unterstützung der FDP schon im ersten Wahlgang hatte, ist da wenig zu holen. Schwer einzuschätzen ist das Verhalten der Wähler von Flughafenausbaugegnerin Ursula Fechter, die in einigen südlichen Bezirken die meisten Stimmen geholt hat. Mancher lärmgeplagte Bürger wird mit sich ringen, ob er Rhein mit Blick auf andere Themen den Vorzug gibt oder für Feldmann votiert, der eine längere Nachtruhe verspricht.
Viel hängt nun von den Grünen ab. Während sich einige maßgebliche Römer-Politiker der schwer geschlagenen Partei gestern um eine klare Stellungnahme drückten, schloss Parteisprecher Omid Nouripour eine Wahlempfehlung für Rhein aus. Das wäre ein Schlag ins Gesicht der CDU, mit der die Grünen seit sechs Jahren gedeihlich zusammenarbeiten. Womöglich werden die Dezernenten der Grünen aus eigenem Interesse darauf hinwirken, den eigenen Wählern zumindest zu erklären, was vom Wahlausgang abhängt. Mit einem Oberbürgermeister Feldmann würden die Karten im Römer völlig neu gemischt, und die Grünen hätten nicht weniger zu verlieren als die CDU.