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Kommentar Viel Kredit verspielt

27.04.2009 ·  Die hübsch herausgeputzten Markthäuser sind das beste Beispiel dafür, dass in Mainz vieles nur Fassade ist. Denn bei genauerem Hinsehen - und das hat der Aufsichtsrat der stadtnahen Wohnbau Mainz GmbH zu lange versäumt - wird schnell deutlich, dass die Fundamente wackeln.

Von Markus Schug
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Die hübsch herausgeputzten Markthäuser sind das beste Beispiel dafür, dass in Mainz vieles nur Fassade ist. Denn bei genauerem Hinsehen – und das hat der Aufsichtsrat der stadtnahen Wohnbau Mainz GmbH zu lange versäumt – wird schnell deutlich, dass die Fundamente wackeln und sich gewaltig Risse vom Keller bis ins Dach ziehen. Nicht bei den schmucken Markthäusern, die erst im Dezember mit großem Brimborium eröffnet worden sind, sondern bei dem 92 Jahre alten Wohnungsbauunternehmen, das im Auftrag der Politik auch dieses Mainzer Prestigeobjekt errichtet hat; nun aber wegen fehlender Liquidität wie ein Kartenhaus einzustürzen droht. Deshalb soll die selbst hoch verschuldete Stadt für bis zu 300 Millionen Euro bürgen; und muss zur Stabilisierung noch dazu das Eigenkapital des fast insolventen Unternehmens erhöhen.

Rentabilitätsberechnungen für Großprojekte seien in der Vergangenheit gar nicht erst vorgelegt worden, räumte ein Mitglied des Aufsichtsrats öffentlich ein, nachdem die Pleite beim besten Willen nicht mehr zu verheimlichen war. Was sicherlich ein Fehler gewesen sei. Mit der Aufarbeitung des unglaublichen Finanzdebakels tun sich die Parteien so kurz vor der Kommunalwahl allerdings schwer. Ein Prokurist wurde freigestellt, die Geschäftsführung bisher aber geschont. Wobei dem SPD-Mann Thomas Will, der erst im November an die Spitze der stadtnahen GmbH gewechselt war, die Fehler der Vergangenheit schwerlich anzulasten sind. Der zweite Geschäftsführer, CDU-Mann Rainer Laub, hat es früher dagegen offenkundig versäumt, bisweilen laut und deutlich nein zu sagen: Immer dann nämlich, wenn die Ratsfraktionen einmal wieder Beschlüsse gefasst hatten, für deren Verwirklichung der Stadt eigentlich das Geld fehlte.

Jahrelanger Murks

Unklar ist bei alledem, wer genau für die riskanten Kreditabschlüsse verantwortlich war – und wer seit wann davon wusste. Nun, da es auf absehbare Zeit keine weiteren Richtfeste mehr zu feiern gibt, versuchen sich die Verantwortlichen abzusetzen. Ob Oberbürgermeister Jens Beutel, Finanzdezernent Kurt Merkator, Baudezernent Norbert Schüler oder auch die anderen Aufsichtsratsmitglieder von CDU, SPD, FDP und Grünen: Für den jahrelangen Murks bei der Wohnbau Mainz, der die Bürger teuer zu stehen kommt, möchte keiner seinen Kopf hinhalten. Dabei kann man es drehen und wenden, wie man will. Nicht nur die stadtnahe Gesellschaft hat in diesem Fall viel Kredit verspielt, sondern auch die Politik.

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Jahrgang 1962, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

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