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Kommentar Viel getan, aber auch noch viel zu tun

07.08.2008 ·  Der Sprung ist nicht riesig. Um 100.000 Euro hat das Uni-Klinikum Gießen und Marburg im ersten Halbjahr den Gewinn gesteigert. Wer die Zahlen einordnen will, muss aber in die Vergangenheit blicken. Andererseits sind Zahlen nicht alles, und bei allem Glanz wirkt einiges matt.

Von Thorsten Winter
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Der Sprung ist nicht riesig. Um 100 000 Euro hat das Uni-Klinikum Gießen und Marburg im ersten Halbjahr den Gewinn gesteigert. Doch sollte die Zahl nicht für sich alleine betrachtet werden, zumal der Periodenüberschuss des mehrheitlich zur Rhön-Klinikum AG zählenden Großklinikums zum 30. Juni um ein Viertel höher lag als vor Jahresfrist. Wer die Zahlen einordnen will, muss in die Vergangenheit blicken: Als das Land noch der alleinige Eigentümer war, lieferte das Klinikum tiefrote Zahlen ab. Auf 15 Millionen Euro belief sich der Verlust im Jahr 2005. Dies war auch und gerade dem vom Land verursachten Investitionsstau in Höhe von 200 Millionen Euro geschuldet. Die Zersplitterung der Uni-Klinik in Gießen, dessen Gelände 103 Gebäude zählt, steht für Ineffizienz.

Doch seit dem Verkauf von 95 Prozent des Großklinikums an das Rhön-Klinikum geht es Schlag auf Schlag: Schon 2006 ging das neue Kinderherzzentrum in Betrieb, vor wenigen Monaten folgte die neue Kinderklinik, und bis Ende 2010 soll ein großer Klinikkomplex in Gießen die Zerplitterung beseitigen. 170 Millionen Euro lässt sich der Konzern dies kosten. Außerdem baut er in Marburg ein Partikelzentrum, das die Krebstherapie deutlich verbessern soll. 120 Millionen Euro investiert Rhön in Marburg.

Zahlen sind jedoch nicht alles, und bei allem Glanz wirkt einiges matt. So deutete die Klage aus der Klinikseelsorge, die Patienten litten Not, auf Missstände hin. In die gleiche Richtung weisen Berichte von Personalvertretern über tausende von Überstunden und die Unmöglichkeit, übliche Pausen und Freizeitausgleich zu nehmen.

Das wird von der SPD im Landtag, die der Privatisierung nichts abzugewinnen vermag, gerne aufgespießt. Die Privatisierung rückgängig zu machen, ist jedoch für die Mitarbeiter des Klinikums kein Thema – „das wäre sogar kontraproduktiv“, wie es beim Betriebsrat heißt. Den Personalvertretern geht es darum, vernünftige Bedingungen für Patienten und Mitarbeiter zu sichern. Ein Unternehmensgewinn ist da von Vorteil.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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