Die turbulente Geschichte um die verkaufsoffenen Sonntage in Frankfurt ist um eine Variante reicher. Nach den großen Erfolgen am Palmsonntag und am ersten Advent vergangenen Jahres sowie mittelprächtigen Besucherzahlen während der IAA und der Buchmesse kamen diesmal weitaus weniger Menschen in die Innenstadt. Es war abzusehen, daß die Frankfurter Einzelhändler nach Jahrzehnten der Enthaltsamkeit eines Tages Lehrgeld zahlen würden; das Schöne an der Marktwirtschaft ist, daß sie dies aus eigener Tasche begleichen (anders ist es, wenn sich Politiker irren).
Offenbar sind die Menschen nach dem wochenlangen Weihnachtsgeschäft, das nahtlos in den Schlußverkauf überging, des Einkaufens müde und wollen all die schönen neuen Espressomaschinen, Digitalkameras und Winterjacken, die sie sich in den vergangenen Monaten angeschafft haben, erst einmal ausprobieren. Die Einzelhändler in jenen Orten der Region, in denen es seit Jahren verkaufsoffene Sonntage gibt, werden schon wissen, warum sie dafür das Frühjahr und den Herbst, aber nicht den Jahresanfang wählen.
Wie es aussieht, hat auch nicht so recht das Vorhaben gezogen, die Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ für das breite Publikum insofern zu öffnen, als einige Hersteller ihre Neuheiten in den Schaufenstern von 30 Geschäften in der Frankfurter Innenstadt ausstellten. Wer das mit Werbung übersättigte Publikum anlocken will, muß wohl mehr bieten. Falsch war es aber trotzdem nicht, derlei auf die Beine zu stellen. Die Öffnung der dem Fachbesucher vorbehaltenen Messen bleibt eine ständige Aufgabe, denn es ist jammerschade, daß dort regelmäßig die tollsten Neuheiten aus aller Welt zu sehen sind, aber kaum jemand hineindarf.
Bäume wachsen nicht in den Himmel
Die ideale Lösung wird sich, wie bei den verkaufsoffenen Sonntagen, nur durch Versuch und Irrtum finden lassen. Es stellt sich aber schon die Frage, warum die Frankfurter Fachgeschäfte, die unter großem Druck stehen (durch Tchibo, durch die gerade in dieser Stadt immer stärker auf hochwertige Waren setzenden Kaufhäuser, durch die Möbelgeschäfte, die inzwischen sonstwas verkaufen), diese Gelegenheiten nicht besser nutzen, um sich gemeinsam in Szene zu setzen.
Immerhin verfügt die Mainmetropole mit den Geschäften rund um den Goethe- und Rathenauplatz bis hin zum Frankfurter Hof, der Alten Oper und der Börse nach wie vor über eine bemerkenswert große Zahl traditionsreicher Einzelhandelsgeschäfte. Aus dieser Zusammenballung ließe sich mehr machen.
So oder so hat das vergangene Wochenende gezeigt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Diejenigen, die sich sorgen, daß nach und nach der Sonntag als solcher seinen Charakter verliere und dem „Kommerz“ geopfert werde, können beruhigt sein. Die Menschen mögen in ihrer Mehrzahl verkaufsoffene Sonntage. Aber sie mögen sie nur dann und wann.