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Kommentar : Versuch macht klug

Oft ist der Frankfurter Roßmarkt fast menschenleer. Derzeit steht ein experimenteller Pavillon dort, um den Platz zu beleben. Doch die SPD wettert gegen den Versuch - mit nur schwachen Argumenten.

          Man muss sich die Frankfurter SPD als eine engstirnige Partei vorstellen. Endlich einmal gibt es mitten in der Innenstadt einen Ort für experimentelle Architektur. Der Pavillon auf dem Roßmarkt hat nicht nur eine essbare Fassade, sondern auch ein originelles Konzept: Hinter der begrünten Außenhaut gibt es eine Bühne, auf der öffentlich über Fragen der Stadtentwicklung diskutiert wird. Hinzu kommt ein Café, das den viel zu groß geratenen und oft fast menschenleeren Platz beleben wird.

          Und was tut die Frankfurter SPD? Sie will den Pavillon lieber heute als morgen abräumen, denn er stehe den dem Frankfurter Brauchtum gewidmeten Festen im Weg, die für zwei Wochen im Sommer auf dem Roßmarkt geplant sind.

          Am Roßmarkt fehlt Belebung

          Dabei stimmt das gar nicht. Der Streit mit den Festveranstaltern ist längst beigelegt. Der Apfelwein-Verband kann sein dem „Stöffche“ gewidmetes Festival in einer Augustwoche auf der Hauptwache veranstalten. Er ist mit dem neuen, prominenteren Ort mehr als zufrieden. Und auch die Organisatoren der Festwoche im Mai, in der sich alles um die grüne Soße drehen soll, suchen gemeinsam mit den städtischen Ämtern schon nach einer Lösung. Weil der Pavillon ohnehin nur am Rand des Roßmarkts steht, wird sich schon beides miteinander vereinbaren lassen. Und warum sollen die sieben Kräuter nicht gleich an der Hauswand wachsen?

          Der Pavillon steht den Festen nicht im Weg. Interessanter ist die Frage, ob er sich an der richtigen Stelle befindet. Schon seit Jahren wird in Frankfurt darüber diskutiert, ob die Platzfolge Roßmarkt, Goetheplatz, Rathenauplatz überdimensioniert ist und besser durch ein Gebäude gegliedert werden sollte. Mit dem etwas großspurig „Zukunftspavillon“ genannten temporären Gebäude will die Stadt die Wirkung eines Baukörpers an dieser Stelle erproben.

          Für ein Urteil ist es noch zu früh. Der Pavillon steht erst seit einem Monat an dieser Stelle. Die ersten Veranstaltungen waren zwar gut besucht, aber erst, wenn die Temperaturen nach draußen locken wird man sehen, ob er von den Frankfurtern angenommen wird. Schon jetzt ist aber absehbar, dass der Platz eher einen kleinen Pavillon verträgt als einen massiven, mehrgeschossigen Riegel, der den freien Blick stören würde. Ein Gastronomiepavillon könnte die Belebung bringen, die an dieser Stelle wirklich fehlt. Mit gutem Kaffee und vielleicht auch Apfelwein und grüner Soße.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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