Welche weiterführende Schule es besuchen wird, ist für das einzelne Kind eine wichtige Frage. Aber sie ist nicht so existenziell, wie es manchem erscheint. Auch wenn das Gymnasium der Wahl einen besonders guten Ruf genießt, wenn es nahe am Wohnort liegt und die optimale Sprachenfolge anbietet, muss es noch nicht das richtige für das Kind sein. Umgekehrt kann sich eine zunächst ungeliebte Schule als Glücksfall erweisen, wenn dort engagierte Lehrer unterrichten und die Klassengemeinschaft funktioniert.
Als Beispiel kann das Riedberg-Gymnasium dienen, das in Frankfurt vor drei Jahren eröffnet wurde, um die anderen Gymnasien zu entlasten. Zunächst empfanden Eltern es als Bestrafung, wenn gerade ihr Kind dorthin geschickt wurde, zumal oft weite Wege zurückzulegen waren. Inzwischen hat das Gymnasium mit seinem pädagogischen Angebot überzeugt und kann sich vor Anmeldungen kaum retten. Obwohl das Schulgebäude noch nicht fertig ist und der Unterricht in Containern stattfindet, werden dieses Jahr wieder sechs fünfte Klassen gebildet.
Der Druck auf Schulen wird nicht abnehmen
Ein anderes Beispiel ist die Liebigschule. Weil das Gymnasium im Stadtteil Praunheim in diesem Jahr sehr wenige Anmeldungen hat, werden Kinder, die eigentlich eine andere Erstwahl hatten, dorthin geschickt. Die Eltern können aber beruhigt sein: Die freien Kapazitäten haben nichts mit der Schulqualität zu tun, sondern mit der demographischen Entwicklung in den umliegenden Quartieren. Weil diese überaltert sind, werden weniger Kinder von dort angemeldet.
Das Staatliche Schulamt und die Stadt müssen auf solche Entwicklungen reagieren und die unsteten Schülerströme in die richtigen Bahnen lenken. In diesem Jahr fällt das leichter als sonst, was an den vorübergehend gesunkenen Viertklässlerzahlen liegt, aber auch an daran, dass Verwaltung und Schulen sich ihrer Aufgabe sehr gewissenhaft annehmen. Die Vermutung, die Verantwortlichen entschieden nach Gutdünken, trifft nicht zu. Die Schulleiter beraten über jeden einzelnen Schüler, die Grundschullehrer suchen mit den Eltern nach einer gemeinsamen Lösung.
Der Druck auf die Schulen, insbesondere auf die Gymnasien, wird jedoch nicht abnehmen. Nach der Verschnaufpause in diesem Jahr wird die Zahl der Grundschulabgänger wieder steigen. Während in fast allen hessischen Kommunen die Schülerzahl zurückgeht, soll sie in Frankfurt bis 2020 um 7,8 Prozent wachsen. Ein solcher Anstieg ist nur mit kluger Schülerlenkung nicht zu bewältigen. Die Stadt muss sich auch Gedanken über zusätzliche Schulen machen.